Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Reinhard Zweigler zu G7/Elmau

Regensburg (ots) - Die Bilder von acht Staats- und Regierungschefs, US-Präsident George W. Bush jr. friedlich mit Kremlchef Wladimir Putin vereint, im überdimensionalen Standkorb sind unvergessen. Beim G8-Gipfel vor acht Jahren im Ostseebad Heiligendamm gelang Gastgeberin Angela Merkel nicht nur ein tolles Fotomotiv. Sie schaffte es auch, fast in letzter Minute einen propagandistischen Erfolg zu erringen. Die acht großen Staatslenker unterschrieben eine Erklärung zum Schutz des Klimas. Aus der ist zwar kaum etwas Zählbares hervor gegangen, wie das internationale Gewürge um ein verbindliches Klimaabkommen zeigt. Doch wichtig war die gute Botschaft: die reden miteinander. Ähnliches scheint die deutsche Kanzlerin nun wieder zu planen, wenn sich die G8 minus Russland, also G7, im oberbayerischen Schloss Elmau treffen. Die Welt kann so idyllisch sein. Allerdings sind die Erwartungen an das Polit-Spektakel in Bayern so mager wie die Wiesen um Schloss Elmau. Es fiel den Organisatoren schwer, sich aus der Vielzahl der weltpolitisch brisanten Themen eine Handvoll herauszugreifen. Eine große, alles überwölbende Botschaft an die Völker wird es ohnehin nicht geben. US-Präsident Barack Obama kommt ohnehin eher angeschlagen nach Bayern. Die Republikaner schlagen ihm zu Hause ein ums andere Mal Projekte um die Ohren. Der als Superstar gestartete US-Präsident geht in die Zielgerade seiner zweiten und letzten Amtszeit. Große internationale Erfolge hat er nicht vorzuweisen. Auch in Elmau sind von ihm keine Wunderdinge zu erwarten. Vor malerischer Bergkulisse will man sich dort etwa über eine neue Entwicklungspolitik, den Klimaschutz, Gesundheit, Frauen oder den internationalen Handel verständigen, wie die deutschen Gastgeber planen. Die aktuellen Entwicklungen, von ertrinkenden Flüchtlingen im Mittelmeer, brutalem IS-Terror bis zur verheerenden Ebola-Epidemie, diktieren den Staats- und Regierungschef allerdings die Agenda. Und das ist auch gut so. G7 ist zuletzt immer mehr zu einem abgehobenen Club verödet, der an weiträumig abgesperrten Orten unverbindliche Erklärungen produzierte. Dabei sind die Probleme der Welt so groß, dass von den Großkopferten wenigstens für einige davon gangbare Lösungswege aufgezeigt werden müssten. Dass es nicht nur beschauliche Bilder aus Oberbayern geben wird, dafür werden schon mehrere Tausend Protestierer sorgen, die den Gipfel zu wütender Anti-Kapitalismuskritik umfunktionieren wollen. Es sind dies internationale Wutbürger, die gegen den inhumanen Umgang mit Flüchtlingen, gegen die Verelendung ganzer Regionen, gegen den Raubbau an der Natur oder gegen unkontrollierte Geheimdienste und ungebändigte Kapitalmärkte Richtung Elmau ziehen wollen. All das sind berechtigte Kritikpunkte. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass dieser Protest auch friedlich bleibt und nicht Bilder von Gewalt diese Anliegen überdecken. Nur friedlicher, gewaltloser Protest macht Sinn. Wo dagegen Steine fliegen, wird berechtigter Kritik ein Bärendienst erwiesen. Zudem wird in Elmau auch über den nicht eingeladenen Wladimir Putin gesprochen werden. Unmittelbar vor dem Treffen mehren sich die Stimmen, etwa aus der deutschen Wirtschaft, die die Anwesenheit des Kremlchefs fordern. Doch der wurde wegen der Krim-Aggression und der unerklärten Unterstützung für die Ost-Ukraine-Separatisten geächtet. Zumindest ein Signal, dass man sich mit Moskau trotzdem wieder an einen Tisch zu setzen gedenkt - trotz der Völkerrechtsverletzungen -, stünde dem Treffen in Elmau gut zu Gesicht.

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