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Mittelbayerische Zeitung: Ohne Bonus
Kommentar zum Urteil gegen den früheren CSU-Spizenpolitiker Georg Schmid

Regensburg (ots) - Nein, einen Promibonus gab es für Ex-CSU-Landtagsfraktionschef Georg Schmid in Augsburg nicht. 16 Monate Bewährung plus 120 000 Euro Geldauflage sind hart, aber gerecht. Rechnet man die sechstelligen Rückzahlungen an die Rentenkasse und weitere hohe Forderungen der Sozialkasse hinzu, ergibt sich ein Abschreckungseffekt: Sozialbetrug und Steuerhinterziehung lohnen sich nicht. Schmid hat zwei Jahrzehnte zu seinem Vorteil Regeln gebrochen. Er mag die Augen davor verschlossen haben, wie angreifbar das Konstrukt war, mit dem er seine Frau für Tätigkeiten im Wahlkreis fürstlich entlohnte. Vor Strafe schützt das nicht. Die Folgen werden den CSU-Mann lange begleiten. Ämter sind verloren, die Reputation beschädigt. Um Schmid, der wegen seiner umgänglichen Art vor seinem tiefen Fall mit fast allen gut zurecht kam, ist es einsam geworden. Sein Name ist fest mit den stärksten Auswüchsen verwoben, die die Verwandtenaffäre im Landtag hervorgebracht hat. Mit all dem muss er leben. Inakzeptabel aber ist der Shitstorm, der in sozialen Netzwerken seit Wochen über ihn hereinbricht. Vermeintliche Moralapostel schwangen sich zu Richtern auf und forderten mit Häme drakonische Strafen. Ein Verhalten, das viel über sie selbst sagt. Es wäre interessant, zu sehen, wie streng sie jeden Tag mit sich selbst ins Gericht gehen. Zum Glück aber werden Urteile im Rechtsstaat nicht am virtuellen Stammtisch, sondern von der Justiz gefällt.

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