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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zur Netzneutralität: Von wegen Vielfalt, von Martin Anton

Regensburg (ots) - Wer es sich leisten kann, kauft von Internetanbietern künftig eine Garantie für die Qualität und Geschwindigkeit seiner Datenübertragung. Mal abgesehen davon, dass der Tarifwald bei DSL-Verträgen dadurch nicht lichter werden wird, hätte die Aufhebung der Netzneutralität vor allem eines zur Folge: Die weitere Normierung des World Wide Web. Denn wer sind denn die potenziellen Kandidaten für den Erwerb eines Superinternets? Unternehmen wie Disney, Netflix oder Google, aber auch Amazon könnten es sich leisten und wären mehr oder weniger dazu gezwungen, ihre Datenpakete quasi zu versichern. Ergebnis wäre die Beschleunigung einer Entwicklung, die die immer gleichen Inhalte über unterschiedliche Kanäle auf die Bildschirme und Displays der Nutzer spült. Die Vielfältigkeit und Unabhängigkeit, die das Netz verspricht, wird immer unzugänglicher jenseits der Benutzeroberflächen der großen Internetkonzerne verdrängt. Wir können uns also freuen: Noch mehr Disney-Filme in noch besserer 3D-HD-Schlagmichtot-Qualität in Online-Videotheken, in denen der ganze weichgespülte Einheitsmist wartet, den es überall sonst auch gibt. Wer nach Innovationen, nach Low-Budget-Filmen oder kritischen Inhalten jenseits des Mainstreams sucht, den erwarten ruckelige und abgehackte Bilder. Die Datenpakete müssen natürlich finanziert werden. Ich schlage vor, vielleicht alle 20 Minuten kurze Werbefilmchen zu zeigen.

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