PM: Gestutzte Fleckenbiene erobert Brandenburgs Bergbaufolgelandschaft
Gestutzte Fleckenbiene erobert Brandenburgs Bergbaufolgelandschaft
Die ersten Ergebnisse eines Monitorings der Heinz Sielmann Stiftung zeigen eine hohe Dynamik in der Entwicklung der Wildbienenpopulationen in Brandenburg. In Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen wurde nun die Gestutzte Fleckenbiene nachgewiesen. Sie sucht nicht nur nach nektarreichen Blühpflanzen, sondern vor allem nach einem passenden Wirt.
Deutschlandweit gilt die Gestutzte Fleckenbiene (Thyreus truncatus) noch als Rarität. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Mittelmeerraum bis nach Zentralasien. Der erste Nachweis in Deutschland stammt aus der Nähe von Weißwasser (Sachsen) im Jahr 2019. Der bislang einzige bestätigte Fund aus Brandenburg stammt aus dem Nationalpark Unteres Odertal im Jahr 2021. Nun ist die Gestutzte Fleckenbiene in der Niederlausitz angekommen. Aber wie hat sie das geschafft?
Eine Fleckenbiene kommt nicht allein
Bis vor kurzem gingen Wissenschaftler noch davon aus, dass die Fleckenbiene in ihrer parasitischen Lebensweise ausschließlich auf die in Südeuropa vorkommende Braune Bindenpelzbiene (Amegilla garrula) angewiesen ist. Erst mit ihrer Entdeckung in Deutschland stellten Forscher fest, dass auch die hier vorkommende Flockenblumen-Langhornbiene (Tetralonia dentata) als Wirtin infrage kommt. Sie breitet sich seit einigen Jahren in Brandenburg aus. Unterstützt durch den Klimawandel und die Ausbreitung verschiedener Flockenblumenarten, nistet die Langhornbiene hier mittlerweile in großen Kolonien mit bis zu 1.000 Tieren. Davon profitiert die Fleckenbiene als Brutparasit der Langhornbiene.
„Den aktuellen Entwicklungen zufolge gelingt es der Gestutzten Fleckenbiene sehr gut, ihrer Wirtsbiene in die neu erschlossenen Lebensräume zu folgen. Ich gehe davon aus, dass sie sich in den kommenden Jahren mit einer vergleichbaren, leicht zeitversetzten Dynamik entwickelt wie ihre Wirtin, die Langhornbiene“, sagt Ingmar Landeck vom Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e.V.
Der Biologe beobachtet seit Jahren die Entwicklung der Wildbienenbestände in Brandenburg und speziell in der Lausitz. Vor einigen Tagen lieferte er den ersten Nachweis für die Gestutzte Fleckenbiene in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen.
Ein Kuckuck im Bienennest
Als Kuckucksbiene legt die Gestutzte Fleckenbiene ihre Eier in die Brutzellen der Langhornbiene hinein. In einem unbeobachteten Moment dringt sie bis zu den verschlossenen Brutzellen ihrer Wirtsbiene vor und sticht sie mit dem Hinterleib auf. Nach der Eiablage verschließt sie die Zelle wieder mit Erde. Die Larve der Kuckucksbiene schlüpft früher als die der Wirtin und frisst ihren Pollenproviant auf.
Die parasitische Lebensweise ist in der Natur ein bewährtes Konzept. Das namensgebende Beispiel stammt aus der Vogelwelt: Der Kuckuck legt seine Eier in fremde Nester. So macht es auch fast jede vierte in Deutschland vorkommende Wildbienenart.
Wissenschaft beobachtet Wandel
„In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Wildbienenfauna Brandenburgs stark verändert. 31 Arten sind in dieser Zeit eingewandert, sodass inklusive der als ausgestorben geltenden Arten 413 Wildbienenarten aus dem Bundesland bekannt sind“, so Bienenexperte Landeck.
In den Bergbaufolgelandschaften, so auch in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen, ist dieser Wandel besonders deutlich zu beobachten. In den für Menschen unzugänglichen Bereichen haben sich mitunter pflanzenartenreiche und störungsarme Lebensräume entwickelt. Hier finden viele Wildbienenarten ideale Lebensbedingungen.
Der Fund der Gestutzten Fleckenbiene ist längst kein Einzelfall mehr. Wie ihre Wirtin, die Flockenblumen-Langhornbiene, wanderten in den letzten zwei Jahrzehnten viele wärmeliebende Arten nach Brandenburg ein. Der Klimawandel begünstigt die Veränderungen.
„Auf den Flächen der Heinz Sielmann Stiftung kommt hinzu, dass sich typische Gefährdungsursachen für Wildbienen kaum auswirken. Es gibt ausreichende Nahrungsressourcen, Nistmöglichkeiten und kaum Pestizid- und Mineraldüngereintragungen. Das macht diese auf den ersten Blick sehr karge Landschaft zu einem so wertvollen Lebensraum für Wildbienen und viele andere Arten,“ ergänzt Ralf Donat, Leiter von Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen.
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