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neues deutschland: Über Winfried Kretschmanns politische Geografie

Berlin (ots) - Weg von einem vermeintlichen Bürgerrechtsfetischismus, eine Flüchtlingspolitik, die mit der Einzelfallprüfung Schluss macht - und »ganz in die Mitte« statt »linke Mitte«: Nach seinem Triumph im Südwesten dreht Winfried Kretschmann auf. Wie so lange Joschka Fischer gibt er jetzt den heimlichen grünen König. Er spricht vom »Führen« einer Partei, in der er im Bund gar kein Führungsamt innehat. Spitzengrünen wird sein jüngstes Interview zu denken geben vor der Bundestagswahl 2017. Einerseits beschreibt Kretschmann Realitäten der Parteienlandschaft. Längst sind die Grünen »Mitte«, mit jedem außer der AfD koalitionsfähig. Dass ein grünes Stadtbürgertum die passende Ergänzung zu traditionelleren bürgerlichen Milieus darstellen kann, ist auch keine neue Erkenntnis. Andererseits aber unterliegt er einer politgeografischen Täuschung, wenn er - um nicht »Volkspartei« zu sagen - seinen eigenen Erfolg zum Modellexempel einer »Orientierungspartei« stilisiert. Denn das Ländle ist nicht überall. Dort ist über viele Jahre ein spezifisches Milieu entstanden, das grün als clevere Effizienz und Sparsamkeit buchstabiert. Doch muss man nicht bis Kreuzberg reisen, um andere grüne »Markenkerne« zu finden. Überreizen die Grünen jetzt das »Mitte«-Blatt, drohen sie sich aus eben dieser wieder herauszumanövrieren.

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