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neues deutschland: Erdogans Doppelmoral

Berlin (ots) - Der türkische Präsident hat die Welt wissen lassen, dass er die Opfer des Anschlags auf das linke Kulturzentrum in Suruc zutiefst bedauert. Das mag man ihm durchaus glauben, und seine wütenden Äußerungen sprechen sehr dafür, dass er sich politisch hart getroffen fühlt. Man redet schließlich vom ersten Anschlag der Kalifatsterroristen auf türkischem Gebiet. Was immer Erdogan an bedauernden Worten jetzt äußern mag - man erinnert sich allzu gut, dass er als türkischer Staatsführer nicht gerade ein politischer Freund jenes Lagers war und immer noch ist, dem die gestrigen Terroropfer zuzurechnen sind. Mehr noch: All die halbfaschistischen und islamistischen Organisationen, die das linke Lager und die Zusammenschlüsse der Kurden oder Aleviten seit Jahren terrorisieren, konnten stets darauf bauen, dass sich Erdogans Behörden bei der Strafverfolgung kein Bein herausreißen. Wem die Sympathien Erdogans vor Jahresfrist im von der ganzen Welt verfolgten Überlegenskampf der syrisch-kurdischen Region Kobane gegen die Kalifatsislamisten galten, hat wohl ebenfalls niemand vergessen. Kobane verdankt sein damaliges Überleben jedenfalls nicht Erdogan. Seine Schaukelpolitik geht aber nun immer weniger auf. Er hat die IS-Schurken nicht im Griff, weil diese nun mal nicht allein von türkischem Wohlwollen abhängen. Ein Umdenken sollte man aber beim Politikertyp Erdogan dennoch nicht erwarten.

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