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Neues Deutschland: zur Inhaftierung von Demjanjuk in Deutschland

    Berlin (ots) - Demjanjuk ist im Gefängnis. Endlich! Man wird ihn hierzulande korrekt behandeln und beim Alltag hinter Gittern die größtmögliche Rücksicht walten lassen, die sein hohes Alter und seine angegriffene Gesundheit erfordern. Keine Rücksicht jedoch darf es in der Sache geben. Ist Demjanjuk für die ihm zur Last gelegten (und nur mit Beihilfe angeklagten) Ungeheuerlichkeiten verantwortlich, so verlangt das ein klares Urteil. Unabhängig davon, ob der (dann überführte) Handlanger der SS die Strafe verbüßen kann oder nicht. Ja, aber ... Demjanjuk kann geltend machen, dass er sich - wie viele Kriegsgefangene der Wehrmacht - der SS nur angedient hat, um zu überleben. Die ach so ritterliche Wehrmacht nämlich ließ »die Bolschewiken« planmäßig verhungern und erfrieren. Hat man die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen? Kaum. Und wenn doch, dann handelten sie auf Befehl. So wie die, die Demjanjuk an die Gaskammer kommandierten. Gilt das dann nicht erst recht für den kleinen »Hiwi« aus der Ukraine? Es war eben Krieg, hört man immer wieder. Auch im angeklagten Fall vernimmt man, Demjanjuk habe sich eines Kriegsverbrechens schuldig gemacht. Das ist falsch und verharmlosend! So wie Srebrenica oder die wiederholten Mordzüge in Kongo nicht Folge eines Krieges waren, so ist auch Demjanjuks Dienst im Vernichtungslager Sobibor nicht mit »den Umständen« zu entschuldigen, in denen Befehl und Gehorsam scheinbar über alles gehen.

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