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Westfalenpost: Politische Ohnmacht G8-Gipfel: Erklärung zum Nahost-Konflikt

    Hagen (ots) - Von Jörg Bartmann

    Im St. Petersburger Konstantin-Palast war die Freundlichkeit nur gespielt. Der G8-Gipfel der Mächtigen ist längst von seiner vorgegebenen Linie abgewichen. Die Raketeneinschläge in Haifa, die israelischen Bomben im Libanon bestimmen das babylonische Sprachgewirr und Gezänk in der russsichen Metropole. Und die vorbereitete Erklärung zum Nahost-Konflikt, der längst zum Krieg mutierte, wird das Gefühl der Ohnmacht nicht entkräften. Zu unterschiedlich sind die Interessen der Parteien. Für US-Präsident Bush sind die Hisbollah und Syrien der Grund allen Übels, während Gastgeber Putin als auch Frankreichs Präsident Chirac Israel zur Mäßigung seiner Maßnahmen aufrufen. Gerade jetzt wäre deshalb ein Schulterschluss von Bush und Putin nötig, um den Irrsinn zu stoppen. Gefährlich nahe reicht die Eskalation bereits an die Grenze Syriens, dem finanziellen Unterstützer der im Süden Libanons aktiven Milizen der Hisbollah. Der gegenwärtige Zustand erinnert schon an Szenen aus dem Jom-Kippur-Krieg. Doch die Mächtigen der Welt verstecken sich hinter fadenscheinigen Erklärungen, wollen ihren regionalen Einfluss nicht verlieren, weil es auch um handfeste wirtschaftliche Interessen geht. Die Zeiten eines einzigen Weltpolizisten sind vorbei, sie haben auch nicht dazu beigetragen, die Konflikte zu lösen. Und welche Rolle die Vereinten Nationen zuletzt spielten, haben wir beim Irak-Krieg schmerzlich registriert. Im Nahost-Konflikt ist bislang vom Sicherheitsrat kein Ton zu hören. Ob die USA das verhindert haben, spielt auch nicht die ganz große Rolle, weil die Ausführungen von Maßnahmen meist in Formalismen stecken geblieben sind oder an einem Veto scheiterten. So gesehen muss man die Erwartungen an G8-Gipfel herunter schrauben. Schnelle Lösungen scheinen nicht möglich. Vonnöten sind die aufwendigen Treffs aber aus einem anderen Grund. Der persönliche Kontakt zwischen den Topleuten dieser Welt verhindert vielleicht noch Schlimmeres. Das kann kein Trost sein für den aktuellen Stand im Nahen Osten. Alles ist möglich: Der Kriegszustand lässt den Erdölpreis klettern, die ökonomische Lage des Westens kann in Schieflage geraten und auch das weltweite Wirtschaftswachstum stagniert. Wen schon nicht die menschlichen Tragödien, die Toten Signal genug sind, um ernsthaft und gemeinsam einzugreifen, sollten andere Fakten zur Einsicht führen. Das ist schrecklich und ernüchternd zugleich.

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