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Neue OZ: Kommentar zur Krise um Ukraine und Krim

Osnabrück (ots) - Russland nicht das Reich des Bösen

Russland ist das Reich des Bösen? In der Krise um Ukraine und Krim gibt es im Westen gegenwärtig kaum andere Stimmen. Die Empörung ist aber erstens nicht gerechtfertigt und zweitens Teil eines Mechanismus, der dann wirklich böse enden kann. Die westliche Diplomatie hat im Vorfeld versagt. Es misslang ihr nicht nur, die Lage im Dialog mit Russland im Zaum zu halten, sie fachte sie durch ihre Haltung an. Wenn nicht blind vor Euphorie, so riskierte der Westen in den aufgeregten Maidan-Tagen sehenden Auges, dass genau das geschah, wozu es dann kam: Die Opposition schlug das vereinbarte Vorgehen in den Wind und schuf durch den Umsturz Fakten, mit all den absehbaren finanziellen und geostrategischen Risiken. Russland kann sich daher berechtigt als getäuscht und hintergangen betrachten. Im Fall Krim wird der Kreml kein zweites Mal den Fehler machen, der Opposition zu vertrauen. Wer wollte es von ihm ernsthaft erwarten? Auch, dass sich die neue ukrainische Führung empört, es habe auf der Krim einen "illegitimen Putsch" gegeben, ist skurril. Zuvor vollzog sie in Kiew wenig anderes. Nebenbei: Was unternehmen noch einmal die USA, wenn sie ihre Interessen in anderen Ländern berührt sehen? Die Dämonisierung Russlands muss enden, um abseits moralischer, romantischer und aggressiver Vorbehalte zu verhandeln. Der Krim-Frage mehr Bedeutung zuzugestehen, als ihr zukommt, wirft dabei das Streben nach Hilfe für das übrige Land zurück, um von fatalen Gefahren für ganz Europa gar nicht zu reden.

Burkhard Ewert

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