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Neue OZ: Kommentar zu Shirley Temple

Osnabrück (ots) - Ewige Kinder

Als Daniel Radcliffe nach der Potter-Reihe ins Erwachsenenfach wechselte, drehte er zuerst einen Horrorfilm. Er handelte von einer Serie geheimnisvoller Kindesselbstmorde. Immer wieder guckt Radcliffe verständnislos in die verlassenen Spielzimmer der Opfer: Besser kann man das Problem minderjähriger Superstars nicht bebildern: Sie müssen gerade die Kindlichkeit aufgeben, für die sie geliebt werden. Shirley Temple war ein Prototyp dieses Konflikts: In den 30er-Jahren war sie allgegenwärtig: im Kino, in der Werbung und sogar bei der Oscar-Nacht. Ein halbes Jahrzehnt war sie das Kind schlechthin, und als Großverdienerin Teil einer ganz und gar erwachsenen Welt. Sogar eine Puppe hatte ihr Gesicht. Auch das spricht Bände: Denn wie ihre Puppen sind auch die Kinderstars selbst in die Verfügungsgewalt des Publikums gegeben. Wer nicht das ewige Kind bleiben will, wird irgendwann gegen die eigene Puppenhaftigkeit aufbegehren. So wie jetzt Miley Cyrus, die ihr sauberes Disney-Image mit kuriosen Sex-Tänzen abschüttelt. Das ist ulkig, aber auch ihr gutes Recht.

Daniel Benedict

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