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Neue OZ: Kommentar zu Monaco
Albert
Jubiläum

Osnabrück (ots) - Irrationale Enklave

Irgendwie ist es schon komisch. Da halten sich die Europäer für aufgeklärt. Aber sobald es um gekrönte Häupter oder andere Prominente des Hochadels geht, ist ein großer Teil der Musterdemokraten ganz aus dem Häuschen. Der bitter erkämpfte Anspruch auf Gleichheit verschwindet vorübergehend in der Versenkung. Stattdessen wird dem Pomp gehuldigt und zufällig Hineingeborenen in Familien, deren Vermögen zu früheren Zeiten auf eine Art erworben wurde, die heute als Ausbeutung oder zumindest mit Argwohn betrachtet würde.

So ist es mit den Schweden, wo es eine Deutsche ins Königshaus spülte. So ist es in England, wo eine blaublütige Hochzeit das Jahr prägen wird. Und so ist es in Monaco, wo ein eingeheirateter Schwimmstar der alten Familie Grimaldi zu neuem Glanz verhelfen soll. Gäbe es nicht die Heirat in England, die sommerliche Feier im zugebauten Zwergstaat am Mittelmeer wäre das gesellschaftliche Top-Ereignis des Jahres. Aber auch so wird das Paar bejubelt werden, sitzen auch in Deutschland Millionen vor dem Fernseher. Wieso bloß? Was treibt diese Sehnsucht? Es gibt Gründe genug, gerade Monaco kritisch zu sehen. Einer sind die erbmonarchistischen Relikte. Ein weiterer die Steuerregeln, die diese irrationale Enklave der Reichen eher zu einem Schandfleck in Europa machen, nicht zu etwas Bewundernswertem. Irgendwie ist es schon komisch.

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