Alle Storys
Folgen
Keine Story von Öko-Institut e.V. mehr verpassen.

Öko-Institut e.V.

Bio und von der Weide: Milch mit Umweltvorteil

Ein Dokument

Pressemitteilung

Freiburg/Berlin, 28. September 2021

Bio und von der Weide: Milch mit Umweltvorteil

Milch, die in ökologischer Landwirtschaft erzeugt wurde, ist aus Umweltsicht vorteilhafter als konventionell erzeugte Milch. Der weitgehende Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger im Futtermittelanbau ist mit deutlich geringeren Umweltbelastungen verbunden als dessen Produktion in konventionellen Anbausystemen. Trotz der geringeren Erträge in der ökologischen Landwirtschaft und der im Vergleich geringeren Milchleistungen schneidet die Öko-Milch auch in ihrer Klimabilanz nicht schlechter ab. Ein Grund für das positivere Ergebnis ist unter anderem, dass Ökobetriebe weniger Milchleistungsfutter füttern.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine heute veröffentlichte Studie von Öko-Institut, INFRAS und KTBL, die im Auftrag des Umweltbundesamtes die Ökobilanz verschiedener Formen der Milcherzeugung in Deutschland untersucht hat.

Heimisches Futter und Weidehaltung verbessert Umweltbilanz

Die Analyse zeigt, dass besonders die Art und Weise, wie die Tiere gefüttert werden einen großen Einfluss auf die Umweltbilanz hat: Bei der konventionellen Milchherstellung hat die Bereitstellung des Futters einen Anteil von 18 bis 34 Prozent an den gesamten potenziellen Treibhausgasemissionen pro Kilogramm Milch; bei der ökologischen Produktion sind es sechs bis 20 Prozent. Käme vermehrt heimisches Futter wie zum Beispiel Ackerbohnen statt aus Übersee importiertes Soja in den Stall, ließen sich die Treibhausgasemissionen senken.

Dagegen haben in der Bio-Milchwirtschaft die direkten Emissionen, vor allem die Methanemissionen aus der Verdauung der Tiere, einen größeren Anteil: Rund 50 Prozent des Treibhausgaspotenzials pro Kilogramm Milch aus ökologisch wirtschaftenden Systemen – bei den konventionellen Betrieben sind es nur rund 30 Prozent. Der Grund: In der Öko-Milchwirtschaft geben die Kühe weniger Milch pro Futtereinheit. Dieser Effekt wird jedoch durch die genannten Mehremissionen durch die Futtermittelbereitstellung kompensiert.

Außerdem konnte in der Studie gezeigt werden, dass die Milchproduktion mit Weidehaltung sich durch zum Teil deutliche Umweltvorteile auszeichnet. Dies schlägt sich in einem niedrigeren Energieaufwand und Wasserverbrauch pro Kilogramm Milch nieder. Geringer sind zudem Belastungen für Gewässer etwa durch Nitrate oder Phosphor (Eutrophierung) und für Böden durch den Gülleeinsatz und die damit verbundene Ammoniakbelastung (Versauerung).

„Insgesamt hat die ökologische und weidebasierte Milcherzeugung Vorteile für den Umweltschutz und auch aus Sicht des Klimaschutzes kann hier kein Nachteil ausgemacht werden“, bilanziert Dr. Jenny Teufel, Expertin für nachhaltige Lebensmittelproduktion am Öko-Institut und betont: „Beim Einsatz heimischer Futtermittel, aber auch beim Weidegang und dem Einsatz von Heu im Grundfutter liegen wichtige Hebel für Landwirtinnen und Landwirte, die Umweltauswirkungen zu minimieren ohne dass dadurch Nachteile für den Klimaschutz einhergehen. Die durchschnittliche Milchleistung von Kühen in der ökologischen Landwirtschaft weiter zu erhöhen, ist keine geeignete Maßnahme zur Reduktion der Umweltbelastung der Milchproduktion. Der Effekt auf den Klimaschutz ist gering und andere Umweltbelastungen, wie der Flächenbedarf und der Energieaufwand nehmen zu. “

„Versteckte“ Kosten trägt die Gesellschaft

Die Studie untersucht zugleich erstmals, welche Kosten durch die Umweltschäden bei der Milchproduktion entstehen können. Dazu gehören beispielsweise Kosten, die aufgebracht werden müssten, um Treibhausgasemissionen oder den Einsatz von Pestiziden künftig zu vermeiden oder um Schäden im Ökosystem zu reparieren.

Das Ergebnis: Je nachdem wie die Milch hergestellt wird, entstehen Mindest-Umweltkosten zwischen 21 und 34 Cent pro Kilogramm Milch. Milch aus Weidehaltung ist dabei besonders umwelt- und damit kostenschonend: Sie spart bis zu 24 Prozent der Kosten, die zur Behebung von Umweltschäden nötig wären. Bei den ökologischen Betriebsmodellen entstehen bis zu 19 Prozent weniger Umweltkosten. Kombiniert – öko plus Weide – entstehen die wenigsten Kosten für die Erhaltung der Umwelt.

„Diese Kosten sind heute nicht im Preis der Milch enthalten“, erläutert Teufel. „sie müssen dennoch über kurz oder lang von den Menschen in der Gesellschaft gezahlt werden.“ Die Wissenschaftlerin betont, dass in der Studie nicht alle Umweltkosten berücksichtigt werden konnten, etwa der Schutz der Biodiversität oder eine artgerechte Haltung im Sinne des Tierwohls. Gerade letzteres ist mehr als 70 Prozent der Deutschen laut Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums von 2019 wichtig.

Studie „Sichtbarmachung versteckter Umweltkosten der Landwirtschaft am Beispiel von Milchproduktionssystemen“ von Öko-Institut, INFRAS und KTBL

Ansprechpartnerin am Öko-Institut

Dr. Jenny Teufel

Senior Researcher und Gruppenleiterin

"Nachhaltige Ernährungssysteme“ im Institutsbereich Produkte & Stoffströme

Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg

Telefon: +49 761 45295-252

E-Mail: j.teufel@oeko.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

www.oeko.de | blog.oeko.de | twitter.com/oekoinstitut | www.oeko.de/e-paper

Öko-Institut e.V.
Mandy Schoßig
Öffentlichkeit & Kommunikation
Borkumstraße 2
D-13189 Berlin
Tel: +49 30 405085-334 m.schossig@oeko.de
Weitere Storys: Öko-Institut e.V.
Weitere Storys: Öko-Institut e.V.
  • 23.09.2021 – 11:04

    Die Energiewende müssen sich alle leisten können

    Pressemitteilung Freiburg/Berlin, 23. September 2021 Die Energiewende müssen sich alle leisten können Um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, führt kein Weg an der Energiewende vorbei. Der CO2-Preis auf Heiz- und Kraftstoffe ist ein Herzstück des deutschen Klimaschutzprogramms unterstützt durch weitere Maßnahmen wie der Förderung von ...

    Ein Dokument
  • 21.09.2021 – 11:32

    Die private Energiewende: grüner Strom fürs Elektroauto

    Pressemitteilung Freiburg/Berlin, 21. September 2021 Die private Energiewende: grüner Strom fürs Elektroauto Wer ein Elektrofahrzeug anschafft, leistet zwar einen Beitrag zur Verkehrswende, trägt jedoch gleichzeitig dazu bei, dass der Strombedarf ansteigt. Diesen zusätzlichen Stromverbrauch mit erneuerbaren Energien oder Energiesparmaßnahmen ...

    Ein Dokument
  • 17.09.2021 – 11:02

    Kunststoffrecycling aus Altfahrzeugen neu denken

    Pressemitteilung Freiburg/Darmstadt/Berlin, 17. September 2021 Kunststoffrecycling aus Altfahrzeugen neu denken Stoßfänger, Sitzpolster, Dichtungen, Kabelummantelungen und mehr – rund 1,5 Millionen Tonnen unterschiedlichster Kunststoffe werden jährlich in Pkw in Deutschland verbaut. Bei der heutigen Altfahrzeugaufbereitung kann nur ein geringer Teil ...

    Ein Dokument