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WAZ: Der Fleischskandal: Die Chance, es besser zu machen - Kommentar von Jürgen Polzin

    Essen (ots) - Nur langsam kommt ans Licht, welche Dimension der neue Skandal um verdorbenes Fleisch hat. Bereits jetzt sind über 100 Tonnen beschlagnahmt. Diese Zahl macht Angst, denn die Ermittler sagen: Wir stehen erst am Anfang.

    Der Skandal um ekelige, gammelige Fleischstücke, die aus Profitgier und ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Verbraucher umetikettiert und wieder verkauft werden, trifft das Ruhrgebiet mit seinen Millionen Haushalten ins Mark. Wie klein, wie bedeutungslos muss sich der Verbraucher vorkommen, wenn ihm nun Auskunft darüber verwehrt wird, ob Ekelfleisch in welcher Form auch immer auf seinen Teller gelangt sein könnte. Oder liegt es gar noch im Tiefkühlfach?

    Dieser beispiellose Vorgang zerstört das Vertrauen in die Sicherheit von Nahrungsmitteln. Dieser Betrug am Kunden bringt eine ganze Branche in Verruf. Diese Dimension zeigt aber auch: Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass die Lebensmittelüberwachung uns frische, gesunde Nahrung garantiert. Wenn der Anreiz, mit Pfusch und Panscherei Geld zu machen, größer ist als das Risiko, erschwischt zu werden, dann stimmt etwas nicht in diesem System. Vier Fleischskandale in wenigen Wochen: das ist ein Zustand, der nicht haltbar ist.

    Eckhard Uhlenberg (CDU), der neue Minister für Verbraucherschutz in NRW, ist heute auf den Tag genau ein halbes Jahr im Amt. Er muss sich fragen lassen, warum es über drei Wochen gedauert hat, ehe die Kunde vom Gammelfleisch im Gelsenkirchener Kühlhaus an die Öffentlichkeit drang. Und er muss sich daran messen lassen, wie jetzt und künftig mit Krisen dieser Art umgegangen wird. Was Bärbel Höhn an Selbstbewusstsein zuviel hatte, sei bei Eckhard Uhlenberg zu wenig ausgeprägt, wird in Düsseldorf gefrotzelt. Das aber kann man, wenn man mag, auch als aufmunternden Klaps verstehen.

    Denn in diesem Skandal liegt auch eine Chance. Eckhard Uhlenberg hat nun die Möglichkeit zu gestalten, Missstände abzustellen. Natürlich stellten die Grünen zehn Jahre lang in NRW die Verbraucherschutzministerin. Natürlich sind Missstände, die nun sichtbar werden, nicht erst mit Uhlenbergs Amtsantritt entstanden. Nur: Dem Verbraucher ist es egal. Abfall hat nichts in der Nahrung zu suchen. Nur das zählt.

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