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WAZ: Putin lässt die Maske fallen. Kommentar von Walter Bau

Essen (ots) - Bisher war es starker Verdacht, jetzt ist es Gewissheit - beim Aufstand der Separatisten im Osten der Ukraine zieht der Kreml nicht nur im Hintergrund die Fäden, sondern greift mit Truppen und Kriegsgerät massiv in die Kämpfe gegen die ukrainischen Regierungstruppen ein. Präsident Wladimir Putin, der angebliche Friedensfreund im Kreml, entlarvt sich damit endgültig als Aggressor und Kriegstreiber. Sein demonstrativer Händedruck mit seinem ukrainischen Amtskollegen Poroschenko am Dienstag - nichts als eine zynische Polit-Show. Moskau betreibt seit Wochen mit Nachdruck die Destabilisierung der Ost-Ukraine. Das Kalkül ist klar: Ist das Chaos erst groß genug, lässt Putin seine Truppen einmarschieren und für Ruhe sorgen. Die russische Annexion der Region ist dann nur noch Formsache. So lief es schon auf der Krim. Der Westen steht schon seit Monaten einigermaßen ratlos der russischen Aggression gegenüber. Die Nato hatte, trotz Mahnungen aus Polen und den baltischen Staaten, jahrelang auf eine militärische Stärkung ihrer Ostflanke verzichtet - um Putin bloß nicht zu "provozieren". Dann nutzte der russische Präsident eiskalt die politischen Turbulenzen und das Machtvakuum in seinem Nachbarland, um Fakten zu schaffen und Moskaus Machtbereich auszuweiten. Die Sanktionen, die der Westen nach und nach verhängte, zeigten bei dem starken Mann im Kreml keine Wirkung. Die gestrige Eskalation der Situation im russisch-ukrainischen Grenzgebiet, das Eindringen russischer Truppen in das Nachbarland, erhöht die Gefahr eines offenen Krieges in der Region erheblich. Kommt es wirklich, wie nun zu befürchten steht, zu einer russischen Invasion in der Ukraine, muss der Westen reagieren. Die Frage lautet: Wie? Die Sanktionskarte ist ausgereizt. Bleibt die völlige politische Isolation Putins - und die Option der militärischen Hilfe für die Ukraine, wie sie aus Kiew bereits gefordert wird. Die Folge wäre die offene Konfrontation des Westens mit Russland; mit kaum kalkulierbaren Folgen.

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