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WAZ: Gefährliche Langsamkeit - Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - Kurzer Prozess. Der Begriff steht für vorschnelle Urteile, für willkürliche Bestrafungen und für Unrechtsstaat. Kürzere Ermittlungen und Prozesse wünschen sich indes immer mehr Betroffene: Für viele Kläger und Beklagte in Zivilverfahren, für Beschuldigte wie Opfer in Strafsachen wird es unerträglich, wenn die Akten Gilb ansetzen, bis ein Urteil vorliegt.

Wie mögen sich die Angehörigen der Toten der Duisburger Loveparade fühlen? Die Katastrophe liegt mehr als drei Jahre zurück. 2014 kann es zum Prozess kommen. Vielleicht. Nicht alle Verzögerungen haben mit Personalmangel zu tun. Viele Tatbestände sind komplizierter geworden. Aber dass gerade die Länge von Zivilprozessen, wo es oft um Geld und Existenzen geht, kontinuierlich zunimmt, ist nicht hinnehmbar.

Arbeitet unsere Justiz nicht bald wieder reibungsloser, drohen unangenehme Folgen. Menschen könnten dann versuchen, ihr Recht in die eigene Hand zu nehmen, fürchten Anwälte. Was bedeutet: Sie setzen auf private Inkassofirmen statt auf ordentliche Rechtsprechung. Es wäre der Weg zum kurzen Prozess, dem unrechtmäßigen.

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