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WAZ: Braune Flecken - Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - Vielleicht braucht es 60 Jahre, um sich intensiv genug mit den dunklen Bereichen der Vergangenheit befassen zu können. Das Auswärtige Amt hat es getan, auch das Bundesfinanzministerium. Jetzt auch das Bundeskriminalamt. Es kommen braune Flecken zum Vorschein. Führende Polizeibeamte haben damals versucht, die menschenverachtenden Methoden der Nazis in die neue Zeit zu retten. Andere haben ihre Vita so verfälscht, dass der Massenmörder darin unkenntlich wurde. Welche Gefühle müssen KZ-Insassen gehabt haben, wenn sie, Jahre nach der Befreiung, in politischen Verfahren erneut ehemaligen Peinigern gegenübersaßen? Die Entwicklung des BKA in den 50er-Jahren hat dem Vertrauensaufbau in die Einrichtungen der neuen Republik nicht dienen können. Dass es den weiterbeschäftigten Tätern letztendlich nicht gelang, den jungen Rechtsstaat auszuhebeln, ist zwar eine Genugtuung und ein Zeichen der Stärke der Demokratie. Die volle Aufdeckung der Machenschaften durch die BKA-Untersuchung verpflichtet aber weitere Behörden und vor allem die obersten deutschen Gerichte, die eigenen grauen Zonen aufzuhellen.

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