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WAZ: Die Liquidatoren von Fukushima. Kommentar von Christopher Onkelbach

Essen (ots) - Man nennt sie die "Helden von Fukushima": 50 Männer, die verzweifelt darum kämpfen, elektrische Anlagen und Pumpen zu reparieren oder herbeizuschaffen, um den Reaktor zu kühlen. Sie harren aus in einer Zone, die Hunderttausende bereits verlassen haben. Immer wieder kommt es zu Bränden, zu Explosionen. Sind sie Helden?

Die verbliebenen Arbeiter von Fukushima erinnern an die berühmten "Liquidatoren" von Tschernobyl - Feuerwehrleute, Soldaten und Helfer, die direkt nach der Katastrophe im Jahr 1986 am Reaktor eingesetzt wurden. Junge Männer, die meist nicht wussten, welcher Gefahr sie ausgesetzt waren. Sie räumten verstrahlten Schutt weg und errichteten die Schutzhülle, den Sarkophag. Dutzende Männer starben bereits nach wenigen Wochen an der Strahlenkrankheit, vermutlich mehrere Tausend in den folgenden Jahren an Krebs. Ein Museum in Kiew erzählt ihre Geschichte, zeigt die Fotos der "Helden von Tschernobyl". Waren sie das?

Die 50 Techniker in Japan sind angeblich freiwillig im Einsatz. Ist es so, kämpfen sie für ihre Familien, ihr Land und die Menschen. Vielleicht treibt sie auch das japanische Ethos an, das vom Einzelnen Opfer verlangt für das Wohl aller. Sie werden ahnen, dass sie dafür mindestens mit ihrer Gesundheit bezahlen werden. Helden wären sie lieber nie genannt worden.

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