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WAZ: Akt des Ungehorsams - Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - Zensus nennen staatliche Statistiker heute, was ihre Vorgänger Volkszählung nannten. Zum einen, weil es nur eine abgespeckte Version ist, die 2011 stattfindet. Zum anderen, weil schon das Wort "Volkszählung" eine Hypothek bedeutet. Es hat den Ruch obrigkeitsstaatlicher Schnüffelei. 1983 musste das Verfassungsgericht den zu ausgeprägten Wissensdurst der Regierenden stoppen. Aber selbst die Soft-Variante scheitert. In der Vorrunde haben Millionen Wohnungseigentümer, die nur Grunddaten übermitteln sollten, die Statistikämter im Regen stehen lassen. 50 Prozent antworteten, obwohl 100 Prozent gesetzlich verpflichtet waren. Ein spektakulärer Akt des Ungehorsams. Über die Ursachen lässt sich spekulieren. Schreckte das Rückporto? Erkannten die Empfänger die Bitte um Beantwortung etwa nicht, weil sie sie für Supermarktreklame hielten? Oder war dann doch, tief im Inneren, das Misstrauen federführend, hier wolle jemand Dinge wissen, die ihn nichts angehen? Deutschland braucht die fehlenden Daten, um seine Zukunft gestalten zu können. Vielleicht haben die Verantwortlichen ihr Kernargument nicht vermitteln können. Im Mai folgt Runde zwei. Es wird eng.

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