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WAZ: Petra und die Gelassenheit - Kommentar von Rolf Kiesendahl

Essen (ots) - Liebe Petra, du alte Schneewalze. Über dich ist schon alles gesagt worden, nur nicht von allen. Zum Beispiel von einem, der sich über den Angstzustand wundert, der ab 1,5 cm Schneehöhe das Revier überfällt. Wobei nicht die weißen Flocken allgemeine Furcht auslösen, sondern die Satzungen, mit denen unsere Kommunen die Straßenreinigung regeln. Purer Streu-Terror. 90-jährige Urgroßmütter kommen deshalb nicht in den Schlaf, weil sie niemanden haben, der morgens für sie Schnee schippt. Und das arbeitende Volk müsste den halben Jahresurlaub opfern, um mit Schieber und Besen allzeit bereit zu sein, getrieben von der Sorge, Ziel einer Schadenersatzklage zu werden. Statt den Winter zu genießen, denken wir an Versicherungsschutz. Die amtlich verordnete Räumpflicht wird missachtet, oft genug von den Städten selbst. Vielerorts werden kleine Straßen erst Tage später geräumt. Oder gar nicht. Warum machen wir es nicht wie die Alpenländer? Dort gehen die Leute gelassener mit der weißen Pracht um. Akute Gefahren beseitigen, Schnee festfahren oder -trampeln, Granulat drauf und fertig, kein Streusalz. Und kümmern uns statt dessen um Alte und Behinderte, die sich kaum aus dem Haus trauen, kaufen für sie ein oder begleiten sie zum Arzt. Petra, die kleine Polemik musste einfach sein. Jetzt walze mal schleunigst ab.

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