Westdeutsche Allgemeine Zeitung

WAZ: Mini-Lohnplus für DGB-Mitarbeiter - Peinlicher Rollentausch. Kommentar von Stefan Schulte

Essen (ots) - Gewerkschaften kämpfen für höhere Löhne, ihr natürlicher Gegner sind die Arbeitgeber. Weil Gewerkschaften aber selbst Arbeitgeber sind, kämpfen sie einmal im Jahr gegen sich selbst. Wie perfekt ihnen diese Sinnesspaltung zuweilen gelingt, dürfen wir schon zum zweiten Mal in diesem Jahr bewundern: Verdi war es vergönnt, im Frühjahr mit Gebrüll fünf Prozent im öffentlichen Dienst zu fordern - und gleichzeitig 1,5 Prozent für die eigenen Mitarbeiter als ausreichend zu verkaufen. Nun übt sich der Dachverband DGB im Rollentausch. Weniger als ein Prozent - was würde ein Tariffuchs dazu auf der anderen Seite des Tisches wohl sagen? Unannehmbar? Zynisch? Gerade in Zeiten des Aufschwungs ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten? So in der Art.

Natürlich müssen auch Gewerkschaften auf Mitglieder- und Einnahmenverluste reagieren. Doch dann müssen sie sich entscheiden, was wichtiger ist: Glaubwürdigkeit oder Kreditwürdigkeit? Denn natürlich klingen DGB-Chef Sommers Forderungen nach ordentlichen Lohnerhöhungen im Nachhall reichlich hohl, wenn man sich das Angebot an die eigenen Mitarbeiter ansieht. Er sollte sich diese Blöße nicht geben und nachbessern - sonst drohen verhärtete Fronten zwischen Gewerkschaft und Gewerkschaftern.

Pressekontakt:

Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de

Original-Content von: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren: