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WAZ: Das Ende des grauen Lappens - Kommentar von Frank Preuß

Essen (ots) - Brüssel zieht den grauen Lappen aus dem Verkehr. Die Fahrerlaubnis wird auf 15 Jahre befristet, dann muss sie erneuert werden. Damit der Polizist kein 30 Jahre altes Foto mit Minipli-Frisur begutachten muss, wo der Besitzer sein Resthaar doch schon längst flächendeckend über den Schädel verteilt hat. Oder das Bild von jemandem, der gar nicht am Lenkrad sitzt. Das Vorzeigen des alten Scheins sorgt künftig nur noch im Bekanntenkreis für Erheiterung. Erneute Prüfung von theoretischen Kenntnissen und Fahrqualitäten oder Gesundheitscheck zum Stichtag? Fehlanzeige. Das kann jedes EU-Mitgliedsland so halten wie es will. Wer soll das verstehen? Wenn es einen Grund gibt, den Führerschein zu befristen, dann sind es doch gerade der Gesundheitszustand des Fahrers und seine Fertigkeiten am Lenkrad. Denn da drohen Veränderungen, die der Betroffene im schlechtesten Fall ignoriert. Da man Anfänger nicht fünf Jahre lang im Kreis fahren lassen kann, ehe man sie in den Verkehr lässt, muss man das Risiko ertragen. Menschen, die 50, 60 Jahre am Steuer sitzen, ohne ihre Tauglichkeit - zum Beispiel - alle 15 Jahre überprüfen zu lassen, darf man aber genauso beunruhigend finden. In Nachbarländern sind die Politiker weniger zimperlich, in Deutschland trauen sie sich nicht. Fahrlässig.

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