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WAZ: Schreibers ganz normaler Prozess - Der Märchenonkel. Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - Was haben sie in der Union gezittert. Jahrelang. Schreiber wird ausgeliefert. Der Waffenhändler wird auspacken. Wer ist der nächste, der von ihm geschmiert wurde?

Vergessen wir es. Der Prozess gegen diesen durchschnittlichen Kriminellen verlief völlig unspektakulär. Er hat versucht, ein großes Rad zu drehen. Er hat Millionen Steuern hinterzogen. Jetzt muss er acht Jahre sitzen. Ende eines Märchenonkels. Schlussstrich.

Schlussstrich? Karlheinz Schreiber hat die Reputation eines der erfahrensten Politiker dieser Republik auf dem Gewissen. Wegen der unbelegten Schreiberschen Erzählungen musste Wolfgang Schäuble auf den Parteivorsitz verzichten. Ein Makel, der bis heute am Finanzminister klebt. Auch Schreibers Plot vom großen Geldverteilen unter CSU-Politikern erweist sich bisher als Luftbuchung. In keinem dieser Dinge hat der Prozess eine Aufhellung bringen können.

Viel von der Spendenaffäre, die die Union vor zwanzig Jahren belastete, wird also weiter offen sein. Und zerknirscht stellen wir fest: Dank Wichtigtuern wie Schreiber rotiert im Umlauf der täglichen Nachrichten auch eine Menge Schrott. Der Mann hat sich auf Kosten des Ansehens der Demokratie interessant machen wollen. Das ist fast strafwürdiger als Millionen Euro zu hinterziehen.

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