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WAZ: Opel-Entscheidung - GM kann auch eine Chance sein - Leitartikel von Thomas Wels

Essen (ots)

Wenn Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier Glück
haben, dann vertagen die Amerikaner ihre Entscheidung über Opel bis 
nach der Bundestagswahl. So blieben den Rettern vom Amt wenigstens 
die Schmähungen der Opposition erspart, falls es so kommt, wie viele 
erwarten: General Motors behält die Stieftochter Opel und verzichtet 
kühl auf die Milliarden-Mitgift, die Berlin ausschließlich dem 
Zulieferer Magna mit auf die Brautschau gegeben hat.
Für die Opelaner ginge diese Nerven verzehrende Hängepartie in 
eine weitere Runde. Und Opel verlöre die IAA als wichtigste Automesse
Europas, um sich der Welt als ernst zu nehmender Autobauer zu 
präsentieren. Opel als Fragezeichen im Schaufenster. Nüchtern 
betrachtet, hat die Bundesregierung manches richtig und vieles falsch
gemacht. Richtig war der Gedanke, dass Opel im Lichte der drohenden 
GM-Pleite nur mit einem strategischen Investor überleben kann. Aus 
ordnungspolitischer Sicht gerade noch akzeptabel war es, mit 
Steuergeld eine Zeitbrücke zu bauen, um solche Investoren zu finden. 
Dann folgten die Fehler.
Erstens ließ sich die Bundesregierung von Betriebsräten, der IG 
Metall und den Ministerpräsidenten mit Opel-Standorten in eine 
Festlegung für die Bietergruppe aus Magna, der russischen Sberbank 
und dem Hersteller Gaz drängen. Zweitens tat man dann in Berlin noch 
lange so, als handele es sich um einen offenen Bieterwettbewerb, in 
dem jeder Investor willkommen sei. Da stand Magna längst in allen 
Papieren der Haushaltsausschüsse. Drittens haben die 
Verhandlungsführer die Abneigung gegen die russischen Partner 
unterschätzt und die Blitzsanierung von GM schlicht verschlafen. 
Jetzt ist der US-Staatskonzern mit 60 Milliarden Dollar entschuldet. 
Und das Sagen hat ein von Washington besetzter Verwaltungsrat, der 
sich fragt, wieso eigentlich GM den europäischen Markt und den Zugang
zur Entwicklungsschmiede in Rüsselsheim zu Gunsten von russischen 
Staatskonzernen und Oligarchen aufgeben soll.
Bitter für die Opelaner: Nach all den schlechten Erfahrungen mit 
Unverständigen aus Detroit soll der Kampf um Eigenständigkeit 
verloren sein? Jenseits dieser Befindlichkeit allerdings ist auch 
Magna gegenüber GM die drittbeste Lösung. Drei Millionen Autos 
braucht ein Hersteller zum Überleben, Opel baut die Hälfte, Magna gar
nichts. GM kann auch eine Chance sein. Vielleicht hat man in Detroit 
aus dem Elend ja etwas gelernt. Ford funktioniert schließlich in 
Europa ganz gut.

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Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de

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