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WAZ: Stasi-Experte Hubertus Knabe: Kurras hat Ohnesorg nicht im Auftrag der Stasi getötet

    Essen (ots) - Der Polizist Karl-Heinz Kurras hat den Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 nicht im Auftrag der Staatssicherheit getötet. Davon geht der Direktor der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, aus. Eher habe Kurras die Tat "im Affekt" begangen, sagte Kurras der WAZ-Gruppe. Der Vorgang sei der DDR-Staatssicherheit, die Kurras als IM führte, "unangenehm" gewesen, glaubt Knabe. "Es drohte die Gefahr, dass ihr Agent auf diese Weise in der Berliner Polizei enttarnt werden könnte". Kurras, der Ohnesorg im Verlauf der Ausschreitungen beim Schah-Besuch in Westberlin tötete, war seit April 1955 für den DDR-Geheimdienst tätig, wie jetzt bekannt gewordene Akten der Stasi-Unterlagenbehörde belegen. Knabe sagte dazu, Polizisten hätten auf der Anwerbeliste der Staatssicherheit Priorität gehabt, viele westdeutsche Ordnungshüter hätten für sie gearbeitet, "sogar der Chef der Polizeigewerkschaft in Hamburg gehörte dazu". Informationen über den Verlauf der Studentenunruhen hätten die DDR-Oberen aber eher über Informanten aus der Studentenszene selbst erhalten. "Der Staatsicherheitsdienst hatte eine ganze Reihe von Agenten in Führungspositionen in der Studentenbewegung." Der Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen kritisierte die Birthler-Behörde. "Ich finde es irritierend, dass die Akte zufällig gefunden wurde. 20 Jahre nach der friedlichen Revolution müsste das Archiv der Stasi-Akten doch so geordnet sein, dass man nicht mehr auf Zufallsfunde angewiesen ist. Es weckt den Verdacht, dass dieses Archiv nicht besonders gut in Schuss ist."

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