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WAZ: Die USA und der Hurrikan - Lehrmeisterin Katrina - Leitartikel von Markus Günther

    Essen (ots) - Hurrikan "Katrina" ist nicht nur als verheerender Sturm mit 1832 Todesopfern und über 80 Milliarden Dollar Schaden in die Geschichte eingegangen, sondern auch als desolates Beispiel staatlichen Versagens. Als 2005 New Orleans im Wasser versank, war das Krisenmanagement eine Katastrophe für sich. Dass George W. Bush dabei bis heute der größte Teil des Versagens angelastet wird, erklärt sich in erster Linie aus der Anti-Bush-Stimmung, die damals, zwei Jahre nach Beginn des Irak-Krieges in- und außerhalb der USA ihren Höhepunkt erreicht hatte.

      Richtig ist, dass damals auf allen staatlichen Ebenen - vom
Präsidenten über die Gouverneurin bis zum Bürgermeister von New
Orleans - unglaubliche Fehler gemacht wurden. Untersuchungen haben
gezeigt, dass mit teils ganz simplen Maßnahmen (ein Bus-Kontingent
für die Evakuierung zum Beispiel oder Krankenwagen für die Räumung
der Krankenhäuser) viele Menschen hätten gerettet werden können.

      Ob "Gustav" beweist, was seit "Katrina" gelernt worden ist, steht
noch nicht fest. Wie schlimm die Lage überhaupt ist, wird sich erst
innerhalb der nächsten 24 Stunden zeigen. Schon bei "Katrina" kam New
Orleans im Sturm relativ glimpflich davon. Erst als die Dämme
brachen, versank die Stadt. Dennoch, schon jetzt kann man sagen, dass
in den letzten Tagen der Umgang mit der Gefahr, mit den
Informationen, mit der Evakuierung - ja mit allem - ungleich
professioneller und durchdachter war als alles, was 2005 an der
amerikanischen Golfküste passiert ist.

      Gerade die Zusammenarbeit verschiedener Behörden und die
komplizierte Logistik millionenfacher Evakuierungen haben in den
letzten Tagen überzeugend gezeigt, was seit "Katrina" passiert ist.
Anders als damals gibt es heute Notfallpläne für viele
unterschiedliche Szenarien.

      Diese Pläne müssen sich zwar in der Praxis bewähren und werden
sicher manche Schwäche offenbaren; aber als "Katrina" die Golfküste
verwüstete und in New Orleans die Dämme brachen, gab es nicht einmal
Pläne für einen solchen Notfall. Es gab nichts als die naive
Hoffnung, dass so etwas nie passieren würde. Diesmal scheint sich das
neue Krisenmanagement zu bewähren.

      Allerdings haben auch diesmal wieder viele Menschen die
Evakuierung verweigert - aus Angst vor Plünderungen, aus Leichtsinn,
Abenteuerlust und Dummheit. Dagegen ist auch das beste
Krisenmanagement machtlos.

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