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WAZ: Krankenschwestern frei Dreistes Stück - Leitartikel von Joachim Rogge

    Essen (ots) - Was zählt, ist am Ende stets das Ergebnis. Frankreichs neuer Präsident mag tatsächlich so pragmatisch denken. Doch selbst die französische Öffentlichkeit ist diesmal nicht so ohne weiteres gewillt, dem hyperaktiven Staatschef bei der eigenen Lobpreisung kritiklos zu folgen. Über Jahre hatte Europas Diplomatie, allen voran die EU-Kommission, Tony Blair und Deutschlands Steinmeier, beharrlich mit Gaddafi diskret über die bulgarischen Krankenschwestern verhandelt, ehe Sarkozy in der finalen Phase noch auf den Verhandlungszug aufsprang. Dass er überdies die bis zuletzt hoch sensible und politisch brisante Affäre nutzte, um seiner Gattin bei der persönlichen Suche nach sinnvollen Einsatzfeldern zu helfen, degradiert komplizierte Außenpolitik letztlich zu einer Art Therapie für Paare. Heute, zum Auftakt einer Afrika-Tour, wird er sich strahlend als pragmatischer Macher, zusammen mit Gaddafi, in Libyen präsentieren, um nach dem widerwärtigen Geschacher um die Krankenschwestern gleich noch Aufträge für Frankreichs lahmende Wirtschaft zu verabreden. Soviel Chuzpe muss man erst einmal haben.

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