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06.05.2019 – 19:42

BERLINER MORGENPOST

BERLINER MORGENPOST: Notstand beim Klimaschutz
Kommentar von Joachim Fahrun

BerlinBerlin (ots)

Kurzform: Nicht nur protestierende Schüler fragen sich zu Recht, warum denn die Politik in Deutschland und auch in Berlin so zögerlich agiert, um den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu stoppen. Es ist völlig legitim, die Politiker daran zu erinnern, dass sie wenigstens ihre mit großer Geste verkündeten Klimaziele einhalten sollten. Wenn viele Politiker das nicht möchten, weil andere Dinge wichtiger sind, dann müssen sie das sagen. Die Wähler können dann entscheiden, was sie davon halten. Aber sich als Klimaschützer zu gebärden und gleichzeitig zuzuschauen, wie man unter der selbst aufgelegten Latte hindurch springt, das geht nicht.

Der vollständige Kommentar: Ein Notstand verlangt sofortiges Handeln. In einer solchen Situation verschieben sich die Prioritäten. Alle Ressourcen werden auf das Ziel konzentriert, wieder normale, tragbare Verhältnisse zu schaffen. In Deutschland ist er noch nicht so richtig zu spüren, der Klimanotstand, den jetzt Klimaschutz-Aktivisten auch in Berlin ausrufen. Auf einer versinkenden Insel im Pazifik, an der immer wieder überfluteten Küste von Bangladesch oder in der austrocknenden Sahelzone sieht das aber anders aus. Und auch hierzulande fürchten viele Bauern inzwischen massive Schäden, die ein zweiter Dürresommer in Folge für sie bedeuten könnte. Ein Verbot von Osterfeuern wegen der Waldbrandgefahr darf im Frühjahr durchaus als Warnzeichen gesehen werden. Von mehr Stürmen und Starkregen gar nicht zu reden. Nun ist der Klimanotstand sicher nicht das einzige Problem, das es in Berlin anzupacken gilt. Es gibt sozialen Notstand. Auch ein Bildungsnotstand ließe sich sicher angesichts steigender Schulabbrecherzahlen ausrufen. Aber nicht nur protestierende Schüler fragen sich zu Recht, warum denn die Politik in Deutschland und auch in Berlin so zögerlich agiert, um den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu stoppen. Es ist völlig legitim, die Politiker daran zu erinnern, dass sie wenigstens ihre mit großer Geste verkündeten Klimaziele einhalten sollten. Wenn viele Politiker das nicht möchten, weil andere Dinge wichtiger sind, dann müssen sie das sagen. Die Wähler können dann entscheiden, was sie davon halten. Aber sich als Klimaschützer zu gebärden und gleichzeitig zuzuschauen, wie man unter der selbst aufgelegten Latte hindurch springt, das geht nicht.

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