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Lausitzer Rundschau: Zu von Hagens/Guben: Mehrheit gegen ein Tabu

    Cottbus (ots) - Die Lausitzer Rundschau, Cottbus, zu von Hagens/Guben:

    Die Entscheidung, die eine knappe Mehrheit der Gubener Stadtverordneten in dieser Woche getroffen hat, ist nicht falsch. Ob sie richtig ist, wird sich vielleicht erst in einigen Jahren zeigen, wenn wir erleben, wie der heftig umstrittene Leichenplastinator Gunther von Hagens in Guben agiert. Ob er sich tatsächlich nur als der Scharlatan entpuppt, als der er von vielen seiner Kritiker gesehen wird. Ja, es ist ein Tabubruch, den der Leichenplastinator in Guben begeht, indem er die Totenruhe missachtet. Er verstößt erstmals in Deutschland offen gegen den in der westlichen Zivilisation üblichen Umgang mit den Toten, ja, verletzt mit seinem Tun die religiösen Gefühle vieler Menschen. Es ist zu akzeptieren, wenn sie gegen jedes Engagement des Leichen-Doktors in Deutschland argumentieren. Ein Großteil der Gubener aber denkt anders. Das belegte eine Emnid-Umfrage von Anfang April, die zwar vom Von-Hagens-Institut in Auftrag gegeben wurde, trotzdem aber repräsentativ ist und nach wissenschaftlichen Regeln erarbeitet wurde. Viele Bewohner der Stadt hoffen einfach auf ein paar Arbeitsplätze und darauf, dass mit dem alten Rathaus nicht eine weitere nutzlose Ruine Guben auf lange Sicht verschandelt. Sie wissen, dass der wunderliche und selbstverliebte Präparator mit seiner angekündigten 3,5-Millionen-Euro-Investition die Probleme ihrer Stadt nicht lösen wird. Sie haben es aber satt, von hohen moralischen Instanzen aus der Ferne bevormundet und ethisch gemaßregelt zu werden. Und tatsächlich legen die Von-Hagens-Gegner die ethische Latte sehr hoch. Vor allem die hochrangigen intellektuellen Moral-Apostel aus den ferneren Großstädten, die den Gubenern in den vergangenen Wochen in Presse-, Rundfunk- und TV-Beiträgen gesagt haben, was richtig ist, müssen sich fragen lassen, wie viele Arbeitsplätze sie, ihre Unternehmen und Organisationen an der Neiße geschaffen haben oder zumindest was sie gegen den Niedergang der Stadt tun. Ihr Argument, der unheimliche Leichen-Plastinator schrecke mögliche Investoren ab, zieht nicht. Es gibt sie nämlich nicht, die möglichen Investoren, die sich abschrecken ließen. Das Votum zum Verkauf des Rathauses entspricht der Meinung einer Mehrheit in Guben - ob man das nun gut findet oder nicht.

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