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Lausitzer Rundschau: Kein Freizeitpark Ursula von der Leyen will die Bundeswehr "aufhübschen"

Cottbus (ots) - Der Spott war groß, als Ursula von der Leyen vor wenigen Monaten mit ersten Plänen für mehr Familienfreundlichkeit in der Bundeswehr aus der Deckung kam. In einer Satire-Show wurden die Kuriositäten einer "Montessorie-Kaserne" durchgespielt, und der Witz ging um, militärische Konflikte müssten spätestens am Nachmittag beendet sein, weil sich der deutsche Soldat als Teilzeitjobber dann um Frau und Kind zu kümmern habe. Auch von der Leyens neuester Vorstoß zur Aufhübschung der Kasernenstuben dürfte viele zum Schmunzeln animieren: Zimmer mit Minikühlschrank und Leseleuchte - die Bundeswehr als Freizeitpark. Dazu passt auch die zwischenzeitliche Nachricht, die Wehrministerin nehme es mit der körperlichen Fitness der Truppe nicht mehr so genau, weshalb auch die Auswahlkriterien für die Armee gelockert würden. Wie gesagt, über all das lässt sich trefflich spotten. Nur wird bei allem Spott eben auch schnell vergessen, dass sich Deutschland von der Wehrpflicht verabschiedet hat. Früher musste es einem Rekruten am Ende egal sein, ob sein Bett zehn oder 20 Jahre alt war und die sanitären Anlagen in seiner Unterkunft zur Zufriedenheit funktionierten. Er konnte es sich nicht aussuchen, denn der Wehrdienst war eine Verpflichtung per Gesetz. Das hat sich grundlegend geändert. Als reines Berufsheer muss die Bundeswehr heute wie jedes zivile Wirtschaftsunternehmen um Nachwuchs konkurrieren. Die Wehrpflicht ist kein Standortvorteil mehr. So bekommt die Truppe jetzt besonders drastisch zu spüren, dass gutes Personal immer knapper wird. Zumal die Wirtschaft floriert und junge Leute auch deshalb nicht auf die Armee als Arbeitgeber mehr angewiesen sind. Mit Befehl und Gehorsam allein ist demnach keine Bundeswehr mehr zu machen. Von der Leyen reagiert auf diese Tatsache mit einer Attraktivitätsoffensive. Wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil sie als Frau garantiert besser um die Tücken bei der Vereinbarkeit von Job und Familie weiß als ihre männlichen Amtsvorgänger. Gleichwohl wird die Bundeswehr immer ein ganz besonderes "Unternehmen" bleiben. Geht es hier doch um den militärischen Ernstfall, um Leben und Tod. Wer den Beruf eines Soldaten ergreift, ist mit spezifischen Herausforderungen konfrontiert, bei denen zivile Errungenschaften wie Arbeitszeitflexibilität und Familienfreundlichkeit naturgemäß an Grenzen stoßen müssen. Insofern darf von der Leyen auch keine falschen Illusionen wecken. Die Bundeswehr hat sicher noch große Reserven, was einen attraktiven Arbeitgeber anbelangt. Aber sie kann und wird niemals ein Fünf-Sterne-Hotel sein. Ansonsten würde sich die Truppe wirklich lächerlich machen.

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