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Lausitzer Rundschau: Auf dem richtigen Weg Schröder plant Familienpflegezeit

Cottbus (ots) - Sozialforscher heben schon länger warnend den Zeigefinger: In Deutschland werden immer mehr Menschen pflegebedürftig. Aber immer weniger Angehörige fühlen sich schon aus beruflichen Gründen in der Lage, die Oma oder den Vater selbst zu betreuen. Die Politik kann da sicher keine Wunder bewirken. Aber sie kann für annehmbare Rahmenbedingungen sorgen. In Deutschland sind heute rund 2,25 Millionen Menschen pflegebedürftig. In zehn Jahren könnten es Schätzungen zufolge bereits drei Millionen sein. Mehr als 1,5 Millionen Pflegebedürftige werden derzeit zu Hause versorgt. Schon diese wenigen Zahlen offenbaren die enorme Herausforderung für unsere älter werdende Gesellschaft. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ist daher auf dem richtigen Weg, wenn sie sich für einen Rechtsanspruch auf eine neu ausgestaltete Familienpflegezeit stark macht. Die derzeitige Regelung greift nämlich deutlich zu kurz. Jüngste Umfragen zeigen, dass nicht nur die Begrenzung der Pflegeauszeit auf maximal sechs Monate von einer klaren Mehrheit der Deutschen als unzureichend empfunden wird. Bei vielen, die ihre Angehörigen gern selbst pflegen würden, scheitert der Wunsch auch schlicht am Verdienstausfall. Insofern hat Schröder den Nerv großer Teile der Bevölkerung gleich doppelt getroffen: Wer Angehörige zu Hause pflegt, soll künftig bis zu zwei Jahre nur halbtags arbeiten, aber dafür 75Prozent vom Lohn erhalten. Vor allem Beziehern mit niedrigen Einkommen kommt der Plan entgegen. Und die Sicherheit des Arbeitsplatzes ist auch nicht zu unterschätzen. Der Vorteil für die Ministerin: Ihre Idee finanziert sich praktisch von selbst, weil der Gehaltskredit nach der Pflegephase wieder zurückgezahlt werden muss. Das ist in Zeiten leerer Kassen politisch durchaus von Belang. Auch die Arbeitgeber profitieren: Wertvolle Facharbeiter bleiben ihnen zumindest "verkürzt" erhalten. Und zusätzliche Kosten werden praktisch auch nicht fällig. Schon deshalb sollte die Wirtschaft ihren Widerstand gegen die Pläne einstellen. Der Gewinn für die Gesellschaft liegt ebenfalls auf der Hand: Nicht nur, dass Pflegebedürftige am liebsten in den eigenen vier Wänden betreut werden wollen. Die häusliche Pflege ist obendrein deutlich preiswerter als ein Platz im Pflegeheim. Wenn die unvermeidlich steigenden Pflegekosten bezahlbar bleiben sollen, dann muss die ambulante Betreuung durch Angehörige gefördert werden. Am Ende zählt nur noch die Durchsetzungskraft der Ministerin. Mit einem Gesetz zur Familienpflegezeit könnte Kristina Schröder aus dem Schatten ihrer erfolgreichen Vorgängerin Ursula von der Leyen heraustreten.

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