PRESSEPORTAL Presseportal Logo
Alle Storys
Folgen
Keine Story von Lausitzer Rundschau mehr verpassen.

18.02.2010 – 23:24

Lausitzer Rundschau

Lausitzer Rundschau: Zwischenbericht zu den Missbrauchsfällen bei den Jesuiten Ein völliges Versagen

Cottbus (ots)

Sie wussten alles, und sie haben weggeschaut. So
kann man den Zwischenbericht der Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue,
die sich im Auftrag des Jesuitenordens um die bislang 
115bekanntge wordenen Fälle von sexuellem Missbrauch etwa am 
Berliner Canisius-Kolleg kümmert, zusammenfassen. Den Akten zufolge, 
die die Anwältin in den vergangenen Wochen einsehen konnte, waren den
Jesuiten die sexuellen Störungen ihrer Patres Peter R. und Wolfgang 
S. sehr wohl bekannt.
Doch der Orden kümmerte sich nur um seine Mitbrüder: Wolfgang S. 
erhielt einen Therapieplatz, die Kinder und Jugendlichen dagegen 
hatte niemand je im Blick. Für die Jesuiten ist das ein Zeugnis 
völligen Versagens. Fachlich, geistlich und menschlich hätten die 
Patres in den 1970er- und 80er-Jahren anders reagieren müssen, einmal
ganz abgesehen von den vertuschten Straftaten, für die eigentlich 
Anzeigen fällig gewesen wären. Würden diese Vorgänge heute 
stattfinden, wäre die Konsequenz schnell klar: Eine Organisation, die
sich so verhält, wie der Orden damals, ist als Träger einer Schule 
ungeeignet.
Heute freilich liegen die Missbrauchsfälle nach Angaben Raues an fast
allen Schulen mehr als zehn Jahre zurück. Dennoch braucht es 
Konsequenzen: Die Berliner Anwältin hat völlig recht, wenn sie eine 
zügige Aufklärung und die Schaffung von unabhängigen Ombudspersonen 
als Ansprechpartner für Schüler aller Schulen, nicht nur der der 
Jesuiten, fordert.
Doch auch den Opfern muss Gerechtigkeit wiederfahren, durch 
öffentliche Entschuldigungen ebenso wie zum Beispiel auch der 
Kostenübernahme für eine Psychotherapie. Vor allem aber braucht es 
künftig einen besseren Schutz dagegen, dass sexuell Gestörte in der 
Jugendarbeit tätig werden.

Pressekontakt:

Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
politik@lr-online.de

Original-Content von: Lausitzer Rundschau, übermittelt durch news aktuell