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Lausitzer Rundschau: Nach dem Urnengang in Afghanistan Keine Wahl

    Cottbus (ots) - Die Berichte aus Afghanistan vom Wahlkampf wie vom Wahltag und ungewissem Ausgang sind alarmierend. Denn sie belegen, dass das Land auf dem Weg zur Selbstorganisation nicht voran- kommt. Selbst in den Landesteilen, in denen die Sicherheitslage noch einen halbwegs geordneten Urnengang zuließen, ist wenig übrig geblieben von der Freude, mit der das von der Taliban-Herrschaft befreite Land beim letzten Mal noch seine politische Führung wählte. Afghanistan taumelt als Protektorat mit fremder Besetzung, gequält von korrupter Selbstverwaltung und gepeinigt von fanatischer Militanz ins Chaos. Die Erfahrungen, die die Menschen mit der Regierung Karsai gemacht haben, sind überaus ernüchternd und deswegen wäre eine Neuorientierung naheliegend. Aber nicht nur die zu vermutenden Wahlmanipulationen, auch das Fehlen der wirklich überzeugenden Alternative geben dem derzeitigen Amtsinhaber gute Chancen für eine Wiederwahl. Jetzt droht zunächst ein erbitterter Streit um den wahren Wahlausgang. Keiner weiß derzeit, wann es wieder eine stabile Regierung bekommen könnte oder ob nach dieser Wahl eine weitere Zuspitzung droht. Mitten drin in diesem Chaos engagieren sich zahlreiche Länder mit Truppenkontingenten und versuchen dabei zumeist, all das zu ignorieren, was ihre Soldaten inzwischen als alltägliche Beobachtung und oft auch schmerzliche Erfahrung erleben. Die Bevölkerung wird zunehmend misstrauischer, obwohl in den vergangenen Jahren viel Kraft darauf verwendet wurde, ihre Lage zu verbessern. Das absurde an dieser Situation ist, dass diese Länder, unter ihnen ja auch die Bundesrepublik, keine Wahl zu haben scheinen, weil die Wahl, die das Land gerade erlebte, keine wirkliche ist. Was neben anderem versäumt wurde, ist die notwendige politische Intervention und der mühsame Versuch, von unten zu helfen beim Aufbau tragfähiger Strukturen der Selbstverwaltung. Dies ist - zumindest für uns - das wichtigste Wahlresultat. Man kann nur hoffen, dass nach der Bundestagswahl in Berlin und zusammen mit den Verbündeten eine Diskussion darüber beginnt. Das militärische Engagement jedenfalls wird die Probleme nicht lösen. Die Erfahrungen im Irak belegen vielmehr, dass ohne zwingende Vorgaben an die regierenden, auf Machterhalt bedachten Eliten viel zu wenige von den notwendigen Veränderungen erreicht wird.

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