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GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH

Sprühen statt kratzen: GTÜ testet Scheibenenteiser fürs Auto

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Stuttgart (ots)

Hoher Preis ist keine Garantie für Top-Leistung - billige Enteiser schlagen sich erstaunlich gut

Eiskratzen kann lange dauern, wenn die Autoscheibe nach einer kalten Winternacht auf dem Laternenparkplatz mit einer dicken Eisschicht überzogen ist. Scheibenenteiser aus der Sprühflasche versprechen, das Problem im Nu zu lösen. Kurzes Aufsprühen und ein wenig warten. Schon lässt sich das Eis mit einer Gummilippe kinderleicht abziehen. Wie gut das wirklich funktioniert, hat die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung zusammen mit Auto Bild getestet. Acht Pumpsprays in der Preisspanne zwischen zwei und acht Euro mussten sich dem Vergleich stellen.

Sieger im großen GTÜ-Vergleich mit dem Prädikat "sehr empfehlenswert" wurde der Aral Scheiben Defroster gefolgt von vier weiteren sehr empfehlenswerten Produkten. Das zweitbeste Ergebnis erzielte dabei der Sonax ScheibenEnteiser, der in der Gesamtbeurteilung aus Leistung und Kosten gleichauf mit dem besonders preiswerten AutoXS Scheibenenteiser von Aldi Süd liegt, gefolgt vom Priva Scheiben Enteiser der Handelskette Netto und dem Shell EasyClean Scheibenenteiser. "Empfehlenswert" war der Nigrin Scheiben-Entfroster. Als "bedingt empfehlenswert" stuften die GTÜ-Tester Robbyrob Klarblick Enteiserspray und Brestol Scheibenenteiser ein.

Ein guter Defroster sollte nicht nur den zu Eis gefrorenen Beschlag auf Autoscheiben lösen, damit er sich selbst bei Tiefkühltemperaturen problemlos wegwischen lässt, sondern auch eine Wiedervereisung der Scheiben verhindern. Dafür mischen alle Hersteller Alkohole unterschiedlicher Wertigkeit derart, dass die Scheibe aufgetaut wird. Allerdings sollten die Inhaltsstoffe aber nicht allzu schnell verdunsten, damit sich nicht Wasser und feuchte Umgebungsluft sofort wieder als Eis auf der Scheibe festsetzen können.

So hat die GTÜ getestet

Um diese Wechselwirkung realitätsnah zu testen, stiegen die GTÜ-Prüfer in einen Tiefkühlcontainer, der mit konstanten Temperaturen von knapp minus 20 Grad Celsius hochwinterliche Bedingungen simulierte. Für den Test waren Glasscheiben vorgekühlt worden, die einmal - auf den Quadratmeter gerechnet - mit rund 25 Gramm Wasser und einmal mit 50 Gramm besprüht wurden. Das ergab eine entsprechend schwach beziehungsweise stark vereiste, gleichmäßige Fläche. Die wurde dann bei einer fürs Auto typischen Scheibenschrägstellung von 45 Grad mit der immer gleichen Menge der zu testenden Enteiser besprüht. Danach ging es um die Beurteilung der Auftauwirkung jeweils nach 30, 60 und 120 Sekunden. Aral sammelte bei dieser Übung mit Abstand die meisten Punkte und schaffte auch als einziges Produkt in allen Testdurchläufen sowohl bei schwach als auch bei stark vereister Scheibe spätestens nach zwei Minuten eine vollständig aufgetaute Eisfläche.

Nach Dokumentation des Ergebnisses zogen die GTÜ-Experten die Scheiben mit einer Gummilippe ab, um dann nach jeweils zwei und fünf Minuten die Wiedervereisung der Scheiben zu beurteilen. Auch hier lieferte Aral zusammen mit Aldi AutoXS die besten Ergebnisse.

Einige Enteisersprays streiken bei minus 20 Grad

Punktabzug gab's freilich für Aldi, aber auch für Netto, Nigrin, Robbyrob und Brestol in den Disziplinen Handhabung, Funktionalität, Sprühbild und Dichtigkeit. Mal erzeugten die ebenfalls auf minus 20 Grad runtergekühlten Pumpsprays von Aldi und Netto nicht sofort Druck und mussten erst leicht um wenige Grad angewärmt werden, bis sie richtig funktionierten. Mal störten sich die GTÜ-Prüfer bei Nigrin an Aussetzern beim Sprühen und bei Robbyrob an einem zu punktuellen Sprühbild. Eine der Robbyrob-Flaschen ließ sich obendrein erst nach Austausch der Sprühvorrichtung zum Test verwenden.

Brestol lieferte nicht nur eine viel zu druckschwache Pumpvorrichtung, sondern lief auch noch - senkrecht aufgestellt - nahezu komplett aus, wenn der Sprühkopf bei Nichtbenutzung nicht vollends geschlossen wurde. Letzteres traf in abgemilderter Form auch auf Robbyrob zu. Eine nicht unbedingt beruhigende Beobachtung beim hochprozentigen Inhalt der Flaschen, die deshalb auch alle das entsprechende Warnsymbol für hohe Entzündlichkeit tragen müssen. Ganz besondere Vorsicht empfiehlt sich übrigens im Umgang mit den Scheibenenteisern von Aldi, Netto und Shell, weil diese Flaschen auch noch das Gefahrensymbol GHS08 der "explodierenden Lunge" zeigen. Es dient unter anderem der "Kennzeichnung von mutagenen, reproduktionstoxischen und krebserzeugenden Stoffen" bei Gefahr des Einatmens.

Teilweise Schäden auf Lack und Scheinwerfern

Selbstverständlich sollen die Scheibenenteiser auch keine Schäden auf Gummi, Lack oder Scheinwerfergläsern aus Polycarbonat hinterlassen. Entwarnung für die Scheibenwischerblätter, denn keines des getesteten Produkte griff Gummi an. Zumindest unter den strengen Testbedingungen der GTÜ-Verträglichkeitsprüfungen hinterließ Nigrin bei 80 °C im Wärmeschrank nach einer Stunde leichte, irreversible Quellungen auf Reparaturlack. Und auf Scheinwerfergläsern aus Polycarbonat, die zwei Tage lang bei 80 °C im Trockenschrank gelagert worden waren, verursachte Brestol viele feine Risse. Bei Aral zeigte Polycarbonat eine allerdings nur sehr leichte Vermattung.

Pressekontakt:

GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH
Frank Reichert · Leiter Unternehmenskommunikation
Fon: 0711 97676-622 · Fax: 0711 97676-609
E-Mail: frank.reichert@gtue.de · http://presse.gtue.de

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