UN-Organisationen in Deutschland warnen: Haushaltsentwurf wird globalen Krisen nicht gerecht
Gemeinsame Presseerklärung von UNHCR, UNICEF, UNDP, UNFPA, IOM und WFP
UN-Organisationen in Deutschland warnen: Haushaltsentwurf wird globalen Krisen nicht gerecht
Berlin, den 7. Juli 2026
Anlässlich des Kabinettsbeschlusses zum Bundeshaushalt 2027 appellieren UNHCR, UNICEF, UNDP, UNFPA, IOM und WFP an die Mitglieder des Deutschen Bundestages, den Entwurf im parlamentarischen Verfahren nachzubessern. Der Haushaltsentwurf werde der aktuellen Weltlage und Deutschlands internationaler Verantwortung nicht gerecht, erklärten die UN-Organisationen in Deutschland.
Laut Haushaltsentwurf plant die Bundesregierung weitere massive Einschnitte bei der Entwicklungszusammenarbeit – gerade in Bereichen, die das Entwicklungsministerium in seiner neuen Strategie priorisiert hat. Beispielsweise soll der Haushaltstitel für Krisenbewältigung, Wiederaufbau und Infrastruktur im Vergleich zum Vorjahr um knapp 39 Prozent gekürzt werden. Dadurch würden wichtige Maßnahmen der grundlegenden Versorgung wie Bildung und Ernährung sowie der Wiederaufbau von Gesundheit und Wasserversorgung deutlich geschwächt.
Zugleich sind für humanitäre Hilfe im Jahr 2027 lediglich 1,05 Milliarden Euro vorgesehen. Das entspricht 0,19 Prozent des Gesamthaushalts. Nach der Halbierung im vergangenen Haushaltsjahr verharrt die Finanzierung der humanitären Hilfe damit auf niedrigem Niveau.
Die Folgen solcher Kürzungen durch Deutschland und andere Geberländer sind bereits sichtbar: Der Rückzug aus Krisengebieten schwächt Strukturen und Programme, die akute Not lindern, Krisen eindämmen, Flucht- und Vertreibungsursachen mindern und langfristige Stabilität fördern. Trotz umfassender Reformbemühungen für mehr Effizienz und weiter verbesserte Koordinierung werden die UN-Organisationen mit gekürzten Mitteln weniger Menschen erreichen können.
Das geschieht vor dem Hintergrund der Eskalation im Nahen Osten, die nicht nur die akute Not in der Region verschärft, sondern über steigende Energiepreise und eingeschränkte Lieferketten auch die Kosten für Hilfsmaßnahmen und für die Produktion von Nahrungsmitteln in die Höhe treibt.
Deutschland, so die Organisationen, sollte angesichts seiner wirtschaftlichen Stärke sowie seines Anspruchs, sich für Multilateralismus und Menschenrechte einzusetzen, weiterhin eine zentrale Rolle bei der Verhinderung und Bewältigung globaler Krisen übernehmen. Es braucht jetzt Deutschlands anhaltenden starken Beitrag für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit – auch aus eigenem Interesse an einer stabileren und sicheren Zukunft.
Pressekontakt: UNICEF, Christine Kahmann, Sprecherin, 030 2758079-19 oder 0159 04139723, presse@unicef.de
Über UNICEF: Hilfe für Kinder seit 80 Jahren
Das UN-Kinderhilfswerk wurde vor 80 Jahren am 11. Dezember 1946 ins Leben gerufen, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. Heute setzt sich UNICEF weltweit in über 190 Ländern für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein. Von der schnellen Nothilfe bis zu langfristigen Programmen hilft UNICEF, dass Mädchen und Jungen überall auf der Welt gesund und geschützt groß werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.
Das Deutsche Komitee für UNICEF mit Sitz in Köln wurde 1953 als Verein gegründet und ist heute eine der wichtigsten Stützen der weltweiten UNICEF-Arbeit. In ganz Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Programmen und politischer Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von Kindern bei. Weitere Informationen: www.unicef.de.
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