Wissenschaftliches Institut der AOK

Gesundheitsreform: WIdO-Studie bietet umfassenden Überblick über aktuelle Handlungsvorschläge

    Bonn (ots) - Die Diskussion über notwendige Reformen innerhalb der
gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nimmt an Schärfe zu. An
Vorschlägen für veränderte Finanzierungsgrundlagen oder eine
Neugestaltung der Leistungen mangelt es dabei nicht. Das
Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat jetzt erstmals alle
einnahmen- und ausgabenbezogenen Reformvorschläge und -studien in
einer Materialsammlung zusammengestellt. Dazu zählen zum Beispiel die
Ausdehnung der Versicherungspflicht, das Einbeziehen von
Kapitaleinkünften in die Beitragsberechnung, Gesundheitsabgaben, die
Selbstbeteiligung der Versicherten, Veränderungen bei der
kostenfreien Familien-Mitversicherung oder Grund- und
Wahlleistungsmodelle.
    
    In ihrer Studie "Finanzierung und Leistungen der Gesetzlichen
Krankenversicherung" beschreiben die WIdO-Autoren Joachim Klose und
Dr. Henner Schellschmidt die Vorschläge, arbeiten Pro- und
Contra-Argumente auf und skizzieren die zu erwartenden finanziellen
Auswirkungen. Im Fall möglicher Gesundheitsabgaben listen sie
beispielsweise auf, welche Mehreinnahmen sich durch Abgaben auf Tabak
oder Alkohol erzielen ließen und wie sich das auf den Beitragssatz
der Krankenkassen auswirkt. Kernelement ihrer Arbeit sind aber nicht
eigene Berechnungen, sondern die umfassende Sichtung vorhandenen
Materials.
    
    Auf eigene Bewertungen verzichten die Autoren ausdrücklich. Mit
ihrem gut lesbaren Kompendium wollen sie vielmehr zu einer
Versachlichung der Diskussion beitragen. Der Überblick solle helfen,
Vorschläge hinsichtlich ihrer Machbarkeit und der finanziellen wie
gesundheitspolitischen Bedeutung einzuschätzen, so die Autoren. So
gehe es zum Beispiel in der Diskussion um die so genannten
versicherungsfremden Leistungen in der GKV je nach Definition dieser
Fremdleistungen um Ausgaben im Umfang zwischen 4 und 128 Milliarden
Mark. Hier sei es entscheidend, worüber man rede und wohin man wolle.
Wer zum Beispiel die Mitversicherung von Familienangehörigen als
versicherungsfremde Leistung einordne, müsse sich darüber im Klaren
sein, dass er damit eine grundsätzliche Debatte über die
Aufgabenteilung zwischen Staat und Sozialversicherung auslöse.
    
    Die Autoren machen aber auch deutlich, dass die Diskussion um
Reformvorschläge nicht den Blick für notwendige
Rationalisierungsmaßnahmen trüben dürfe. Unverändert seien der
ineffektive Mitteleinsatz und Unwirtschaftlichkeiten im System
zentrale Probleme des deutschen Gesundheitswesens.
    
    Joachim Klose/Henner Schellschmidt: Finanzierung und Leistungen
der Gesetzlichen Krankenversicherung - Einnahmen und ausgabenbezogene
Gestaltungsvorschläge im Überblick. WIdO-Materialen Nr. 45. Bonn
2001. 250 Seiten, Einzelpreis 22 Mark. ISBN: 3-922093-24-8
    
    Informationen zur Studie finden Sie auch im Internet unter:
www.wido.de
    
    
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