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WIdO-Studie im aktuellen Krankenhaus-Report zeigt: Durch höhere Mindestmengen für die Behandlung von Früh- und Neugeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht lassen sich Todesfälle vermeiden (Mit Grafik)

Abbildung 1: Früh- und Neugeborene mit Geburtsgewicht unter 1.500 gr: Schätzung der vermeidbaren Todesfälle pro Jahr in Deutschland / Die Verwendung dieser Grafik ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Abdruck bitte unter Quellenangabe: "obs/Wissenschaftliches Institut der AOK"

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Berlin (ots) - Die fachgerechte Versorgung von Früh- und Neugeborenen mit Geburtsgewicht < 1500g (VLBW - Very Low Birth Weight) ist in Deutschland nach wie vor umstritten. Zwar wurden in den vergangenen Jahren verbindliche Richtlinien für Kliniken, die an der Versorgung von Frühgeborenen teilnehmen, aufgestellt und mehrfach angepasst. Allerdings beinhalten diese Richtlinien bis heute nur sehr niedrig angesetzte Mindestmengen. Eine aktuelle Studie des WIdO, die jetzt im neuen Krankenhaus-Report 2008/2009 veröffentlicht wurde, zeigt nun, dass eine Mindestmenge von z. B. 49 pro Klinik zu behandelnden Fällen potenziell 110 Todesfälle vermeiden kann. Die Ergebnisse der Analyse sind bedeutsam, wird doch aktuell vor dem Gemeinsamen Bundesausschuss weiter über die Einführung einer Mindestmenge verhandelt.

Die Simulationsstudien von Dr. Günther Heller zeigen nicht nur die Auswirkungen der Einführung unterschiedlichster Mindestmengen in Bezug auf eine veränderte Ergebnisqualität, sondern auch mit Blick auf eine flächendeckende Versorgung. Insgesamt sind folgende Resultate hervorzuheben:

Es zeigt sich eine niedrigere Sterblichkeit nach der Einführung unterschiedlichster Mindestmengen. Beispielsweise ist bei der Einführung einer Mindestmenge von 15 VLBW pro Jahr für die behandelnde Klinik von 33 potenziell vermiedenen Todesfällen auszugehen, während eine Mindestmenge von 49 VLBW potenziell 110 Todesfälle vermeiden würde. Insgesamt war die Zahl der potenziell vermiedenen Todesfälle umso höher, je höher die simulierte Min-destmenge war (siehe Abbildung 1).

Zusätzlich wurde untersucht, wie sich die Einführung von Mindestmengen auf die Entfernungen zu den behandelnden Kliniken auswirkt. Führt man beispielsweise eine Mindestmenge von 49 VLBW ein, verlängert sich die durchschnittliche Entfernung vom Wohnort zur Klinik von 20,6 km auf 36,1 km.

Im Einzelfall können diese Entfernungen natürlich auch höher ausfallen. Dabei zeigt sich erwartungsgemäß eine Häufung solcher Fälle in Grenzgebieten und strukturschwachen ländlichen Regionen. Für die mit dem Krankenhaus-Report 2008/2009 vorgelegte Analyse wurden die bundesweiten Krankenhaus-Abrechnungsdaten von insgesamt 12.171 AOK-versicherten VLBW mit Entlassungsdatum in den Jahren 2003 bis 2007 herangezogen. Die Jahre 2003 bis 2005 wurden genutzt, um Fallzahlen pro Klinik hochzurechnen. Für die Jahre 2006 bis 2007 wurden insgesamt 11 unterschiedliche Mindestmengen simuliert und deren Effekte nach einer Umverteilung ausgewiesen. Die vorgestellte Analysemethodik beschränkt sich dabei nicht darauf, die Auswirkungen einer Einführung von Mindestmengen evaluieren zu können. Vielmehr stellt sie ein flexibles Instrument dar, mit dem Umverteilungseffekte zwischen unterschiedlichen Leistungserbringern umfassend untersucht werden können.

Die vollständige Studie finden Sie im aktuellen Krankenhaus-Report 2008/2009.

Hrsg. Klauber/Robra/Schellschmidt; Krankenhaus-Report 2008/2009, Schwerpunkt: Versorgungszentren. Schattauer-Verlag, Stuttgart 2009; ISBN 978-3-7945-2646-8.

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