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Weser-Kurier: Über Sal. Oppenheim schreibt Kristina Läsker:

Bremen (ots) - In Köln ist einer der längsten Wirtschaftsprozesse des Landes mit einem Urteil zu Ende gegangen, das aufhorchen lässt. Die Führungsriege von Europas einst größter Privatkundenbank Sal. Oppenheim bekommt Haftstrafen auf Bewährung. Ex-Gesellschafter Friedrich Carl Janssen muss sogar ins Gefängnis. So konsequente Strafen hat es bisher selten in Bankenprozessen gegeben. Im Gegenteil: Die jüngsten Verfahren gegen Top-Banker der HSH Nordbank, Sachsen LB, IKB, LBBW, HRE und WestLB sind weitgehend versandet, Schuldige für krude Deals vor der Finanzkrise wurden nicht benannt. Zurück blieb das schale Gefühl, dass Banker in diesem Land ungestraft zocken dürfen. In Köln hat sich das Gericht nun etwas getraut, das bisher kaum einer gewagt hat: Es hat den sehr schwammigen Begriff der schweren Untreue zu Lasten von Spitzenmanagern ausgelegt. Ein Unterfangen, für das es kaum Maßstäbe gibt. Das Gericht musste entscheiden, ob die Angeklagten bei der Übertragung einer Immobilie und der Gewährung von Großkrediten fahrlässig handelten, ob sie also bloß die Folgen vernachlässigten. Oder aber, ob sie sogar billigend in Kauf nahmen, dass Geschäfte misslingen. Das ist wichtig: Bedingter Vorsatz ist strafbar, Fahrlässigkeit nicht. Kurz, das Gericht hat definiert, wo genau das angemessene Inkaufnehmen wirtschaftlicher Risiken aufhört. Für die Glaubwürdigkeit des Bankenstandorts Deutschland ist das gut.

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