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Börsen-Zeitung: Überraschungscoup, Kommentar zum Akquisitionshunger der BNP Paribas von Carsten Steevens

    Frankfurt (ots) - Erst sah es nach Spanisch aus, dann doch nicht nach Fremdsprache. Jetzt dürfen die rund 17000 Mitarbeiter der sechstgrößten Bank Italiens Französisch lernen. Das monatelange Rätselraten über die Zukunft der 93 Jahre alten römischen Banca Nazionale del Lavoro (BNL) scheint beendet: Die BNP Paribas stillt ihren Akquisitionshunger am Apennin. Die Nummer 1 unter den börsennotierten Banken Frankreichs landet dabei einen Überraschungscoup – vorausgesetzt, Italiens Bankenaufsicht und Kartellbehörde geben grünes Licht für diese grenzüberschreitende Übernahme, und die Regierung funkt nicht dazwischen.

    Dass nach den gescheiterten Übernahmeversuchen der spanischen Großbank BBVA und des italienischen Versicherers Unipol so schnell ein neuer Interessent den Arm nach der BNL ausstrecken würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Tatsächlich wurde der Deal, der unter den grenzüberschreitenden in Europa mit 9 Mrd. Euro nach den Transaktionen Unicredit/HVB und Banco Santander/Abbey National der drittgrößte werden könnte, innerhalb nur weniger Tage eingefädelt. Überraschend ist insofern auch, dass mit immerhin 13 BNL-Aktionären bereits Einigung über die Übernahme ihrer Anteile von 48% erzielt wurde.

    Dabei dürfte für das Gelingen der Übernahme nicht unwesentlich sein, dass die Avancen aus Frankreich bei Italiens Versicherungsriesen Generali, selbst mit knapp 9% an BNL beteiligt, Gefallen finden. Dass zudem mit dem früheren Goldman-Sachs-Banker Mario Draghi jetzt ein Verfechter der Marktöffnung für ausländische Investoren an der Spitze von Italiens Notenbank steht, spricht ebenfalls für einen Erfolg der französischen Pläne.

    Diese sind aber auch aus Pariser Sicht durchaus überraschend. BNP- Chef Prot zeigte sich bislang eher als Verfechter des organischen Wachstums, wenngleich das hochprofitable Institut in der jüngeren Vergangenheit das Geld für zumindest kleinere Transaktionen doch recht locker sitzen hatte. 15 Übernahmen oder Beteiligungen für rund 2,5 Mrd. Euro allein im Jahr 2005 belegen das. Längst verdient die Bank außerhalb Frankreichs mehr als auf dem Heimatmarkt.

    Der Deal in Italien könnte den Startschuss für weitere geben. Bereits mit 18% ist der französische Crédit Agricole an Banca Intesa beteiligt, dem spanischen Banco Santander gehören 10% von Sanpaolo Imi.

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