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Börsen-Zeitung: Wechselkursakrobatik, Kommentar zu China von Norbert Hellmann

Frankfurt (ots) - Chinas Zentralbank versucht sich an einem kleinen Kunststück. Mit einem urplötzlichen Abwertungsschritt für den chinesischen Yuan wird eine subtile Liberalisierung des Wechselkursregimes veranlasst, die der chinesischen Reformagenda gut zu Gesicht steht. Peking hatte kürzlich angedeutet, dass eine größere marktorientierte und auf Flexibilisierung hinzielende Wechselkursreform für den mit täglichen Referenzkursen eng zum Dollar geführten Yuan bevorsteht. Daran haben sich Erwartungen an eine weitere Lockerung des Wechselkursbandes zum Dollar geknüpft, eine Abwertung aber hatte sicherlich niemand auf der Rechnung.

Nun aber hat die Zentralbank den zuvor stabil gehaltenen Referenzkurs des Yuan zum Dollar um 1,9% geschwächt und dabei an den aktuellen Marktkurs angepasst. Die Zentralbank betont, dass sie beim offiziellen täglichen Fixing stärker auf den im Markt gebildeten Kurs sowie Angebot und Nachfrage im Devisenmarkt Rücksicht nehmen wird. Angesichts der schwächlichen Konjunkturperformance im Reich der Mitte wird der Yuan im Markt tiefer gesehen, doch hat die Zentralbank bislang darauf keine Rücksicht genommen. Die Priorität lag darin, den Yuan auf Augenhöhe mit dem immer stärker aufwertenden Dollar zu lassen, weil man dies als das geeignete Rezept ansah, den Yuan als internationale Reservewährung zu etablieren, die Aufnahme in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) findet.

Der IWF hat aber kürzlich moniert, dass der Yuan über das bisherige Lenkungssystem noch zu wenig marktgesteuert und flexibel ist, um seinen Reservewährungskriterien zu genügen. Aus der Not will man nun eine Tugend machen. Mit dem "marktorientierten" Abwertungsschritt schwenkt Peking auf eine Linie um, die besser geeignet ist, konjunkturellen Herausforderungen gerecht zu werden. Zuletzt alarmierten ein Einbruch der Exporte und eine immer heftigere Deflation der Erzeugerpreise.

An beiden Fronten kann nun möglicherweise etwas Entlastung geschaffen werden, ohne die Chancen auf eine Aufnahme in den IWF-Korb und den von Peking so begehrten Reservewährungsstatus zu kompromittieren. Die Preisfrage ist allerdings, ob die chinesische Zentralbank in den kommenden Tagen den Yuan-Referenzkurs weiter an den Markttrend anpasst und eine immer heftigere Abwertung provoziert. Dies dürfte kaum der Fall sein, denn man will keinen destabilisierenden Währungsabsturz generieren und sich der Gefahr dramatischer Kapitalabflüsse aussetzen.

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