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Börsen-Zeitung: Pie in the Sky, Kommentar zur Großbank HSBC von Andreas Hippin

Frankfurt (ots) - Was hat es für einen Sinn, das Geld seiner Kunden so anzulegen, dass sie sich am Ende nur in einer Stadt wie Gotham City zur Ruhe setzen können? Saker Nusseibeh, der Chef des Londoner Vermögensverwalters Hermes, hat ganz offenbar eine andere Vorstellung vom Investieren als die Großaktionäre der HSBC, die dem britischen Institut den Umzug nach Hongkong nahelegten - in eine chinesische Sonderverwaltungszone, die Batmans Wohnort gut aussehen lässt. Nachhaltigkeit, Umweltschutz, soziale Verantwortung - dafür hat nicht jeder Zeit, der im aktuellen Niedrigzinsumfeld Rendite generieren muss. Chief Executive Stuart Gulliver weiß, dass er seine Bezüge nicht den Kunden der Bank verdankt, und versucht in erster Linie, die Interessen der professionellen Anleger zu befriedigen, denen er steigende Ausschüttungen versprochen hat.

Zum großen Wurf hat es bisher nicht gereicht. Aber wenn er schon nicht für Wachstum sorgen kann, dann müssen eben die Kosten sinken. Seit seinem Amtsantritt hat Gulliver bereits mehr als 40.000 Stellen gestrichen. Jetzt kommen noch einmal bis zu 25.000 hinzu. Aus Brasilien und der Türkei zieht sich das Institut zurück. Das Investment Banking wird stark eingedampft. Zu den größtenteils erwarteten, wenn nicht gar verlangten Kürzungen wird dem renditehungrigen Publikum ein bisschen asiatische Wachstumsfantasie präsentiert - "Pie in the Sky" nennen das die Briten. Zu dumm, dass in der Präsentation aus der Jahreszahl 2025 das Jahr 20251 wurde.

Vielleicht ist das Perlflussdelta mit Hongkong bis dahin ja wirklich zum größten Bankenstandort der Welt aufgestiegen. Warum die Volksrepublik HSBC erlauben soll, daran nach Kräften zu partizipieren, ist dem Vortrag nicht zu entnehmen. Aber Asien rückt für HSBC angesichts der schwachen Performance in anderen Weltregionen immer weiter in den Vordergrund. Und Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz oder soziale Verantwortung spielen dort auch keine so große Rolle.

Da ist es fast unerheblich, ob Schatzkanzler George Osborne bei seiner Grußadresse an die Finanzwirtschaft heute einen Rückzieher in Sachen Bankenabgabe macht. HSBC wird das britische Retailgeschäft wie vom Regulierer verlangt bis 2019 vom Investment Banking trennen. Unter welchem Namen es dann betrieben werden soll, konnte die Bank noch nicht sagen - ein Indiz dafür, dass es verkauft werden könnte. Das wären erneut 26.000 Mitarbeiter weniger auf der Gehaltsliste. Gulliver weiß, worauf es seinen Aktionären ankommt.

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