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Börsen-Zeitung: Neues Make-up, Kommentar von Gottfried Mehner zu ersten Jahreszahlen von Beiersdorf

Frankfurt (ots) - Beiersdorf, der kleinste der großen Kosmetikkonzerne, wuchs jahrelang schneller als die Konkurrenten L'Oréal, Procter&Gamble, Unilever oder Colgate Palmolive. Zuletzt hatte der Weltmarktanteil rund 5% erreicht. Aber in der Krise stolperte der Konzern. Am 10. Dezember mussten zum zweiten Mal die Ziele reduziert werden.

Gestern wurden erste Zahlen für 2010 präsentiert. Danach ist der Konzern in seiner Hauptsparte Consumer organisch nur noch um 1,6% gewachsen. Problematisch scheint zu sein, dass 60% des Umsatzes noch in Westeuropa geholt werden und sich beim Sprung in die Globalität die relativ geringe Größe als Nachteil erweist. Die großen Konkurrenten werden 2010 dagegen im Bereich von 2 bis 4% wachsen.

Gleichwohl hätte Beiersdorf im Vorjahr mit einer operativen Marge von 11,3% aufwarten können, wenn nicht Wertberichtigungen, Sortimentsstraffungen und eine hohe Steuerlast belastet hätten. - Allerdings, L'Oréal brachte es zuletzt auf 16,6%. Bei der Gewinnwarnung im Dezember hatte Beiersdorf einen mehrjährigen Umstrukturierungsaufwand von 270 Mill. Euro kommuniziert, von dem bislang lediglich 118 Mill. Euro verarbeitet wurden. Das heißt, auch 2011 und 2012 sind vorbelastet.

Der Löwenanteil dieses Sonderaufwandes fließt übrigens nicht in Investitionen und Neuausrichtungen, sondern geht für Wertberichtigungen vor allem in China und für die notwendigen Sortimentsstraffungen drauf. Beiersdorf versucht ein neues Make-up und setzt auf Marken mit erprobtem globalen Profil (Nivea, La Prairie, Eucerin). Als neuen Slogan hat Beiersdorf-Chef Quaas "Focus on Skin Care. Closer to Markets" ausgegeben.

Alle Welt verdient in China prächtig, nur Beiersdorf nicht. Das verwundert schon. Was beim Einstieg vor Jahren bei der chinesischen C-Bons schiefging, ist unklar: entweder zu viel bezahlt, den Laden nicht auf Vordermann bekommen oder mit den falschen Produktgruppen unterwegs gewesen.

Mit einem KGV von 24,3 auf Basis des geschätzten Ergebnisses für 2011 wird Beiersdorf unverändert anspruchsvoll mit 10,4 Mrd. Euro bewertet. Dafür sorgt die Übernahmefantasie, obwohl die Familie Herz seit über 30 Jahren maßgeblich engagiert ist. Nur mit ihrer langfristigen Rückendeckung erscheint aber die gesamte Neuaufstellung sinnvoll.

(Börsen-Zeitung, 12.1.2011)

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