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Börsen-Zeitung: Goldfieber, Kommentar zum Übernahmekampf um den weltgrößten Kaliproduzenten von Andreas Hippin

Frankfurt (ots) - Kaliumchlorid wird nicht umsonst auch "weißes Gold" genannt. Ganze 39 Mrd. Dollar in bar hat der Bergwerksbetreiber BHP Billiton für den K+S-Rivalen Potash Corp. of Saskatchewan geboten. Dem Management des weltgrößten Kaliproduzenten ist das natürlich nicht genug. Wäre der genannte Preis das letzte Wort von BHP Billiton gewesen, müsste man sich ernsthaft wundern. Es wird wohl nachgelegt werden.

In der Branche ist das Goldfieber ausgebrochen, die Rohstoff-Raketen steigen wieder. Neben BHP Billiton sind auch die brasilianische Vale und der Bergwerksbetreiber Rio Tinto auf der Suche nach dem Einstieg in einen Markt, der langfristig attraktive Wachstumsraten verspricht. Die simple Logik: Die Weltbevölkerung wächst, die verfügbare landwirtschaftliche Anbaufläche geht zurück und essen will ja schließlich jeder. In Russland geht allem Anschein nach gerade die weltweite Nummer 2 aus Uralkali und Silvinit hervor - mit einer Produktionskapazität von 11,5 Mill. Tonnen jährlich echte Konkurrenz für Potash Corp., die auf 13,3 Mill. Tonnen kommt.

Das Dünger-Fusionskarussell nimmt weiter Fahrt auf. Auch K+S wird wieder als Übernahmekandidat gehandelt, obwohl es dem Vernehmen nach bislang keine Interessenten gegeben hat. Die mit dem fremdfinanzierten Kauf des Salzherstellers Morton Salt aufgetürmten Schulden sind schon wieder so weit zurückgeführt, dass Erwerber dadurch nicht mehr abgeschreckt werden können. Wer Kali will, denkt zwar nicht automatisch an Streusalz, aber solche Assets lassen sich auch gewinnbringend wieder verkaufen und es gibt nicht viel Auswahl bei den möglichen Übernahmezielen.

Zunächst aber wollen sich die Nordhessen selber im Kaligeschäft verstärken. Die Bewertungen sind zwar im Vergleich zu 2008 - als Kali am Spotmarkt zeitweise zu mehr als 1000 Dollar gehandelt wurde - noch relativ moderat. Dass der Kalipreis in Kürze wieder auf das Niveau von vor zwei Jahren steigen wird, erwartet keiner. Ob die Erholung der Düngernachfrage, die sich im ersten Halbjahr abzeichnete, nachhaltig ist, kann aber noch niemand aus der Branche mit Sicherheit sagen. Wenn nicht, ist das Goldfieber schnell wieder verflogen. Es gibt für K+S also keinen Grund zur Eile, auch wenn das Gebaren anderer Marktteilnehmer diesen Anschein erweckt.

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