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Börsen-Zeitung: GM macht es selbst, Kommentar von Peter Olsen zum Verzicht von General Motors auf Staatshilfen für Opel

Frankfurt (ots) - Na endlich! Der amerikanische Autobauer General Motors (GM) kommt seiner Verpflichtung als Eigentümer von Opel und Vauxhall nach und bringt die nötigen Milliarden zur Sanierung der verlustreichen Aktivitäten selbst auf. "Es ist besser für Opel, Teil von GM zu sein, und es ist besser für GM, Opel mit im Konzern zu haben", betonte denn auch Europachef Nick Reilly gestern in einer Telefonkonferenz.

Was er nicht sagte, aber natürlich als europäischer Statthalter amerikanischer Interessen - GM gehört zu immerhin 60% der US-Regierung - durchaus meinte: Wie die Sanierung konkret umgesetzt wird, entscheidet GM von nun an allein. Zwar mühte sich Reilly, keinen Zweifel an der Lauterkeit der GM-Pläne für die Restrukturierung in Europa aufkommen zu lassen. An den Grundlinien der bekannten Maßnahmen - Personalabbau und Werksschließung nur in Antwerpen - werde nichts geändert, lediglich eine Streckung des dafür nötigen Aufwands sei denkbar.

Aber auf solche Zusicherungen sollte man nicht allzu viel geben. Amerikanische Geschäftsleute sind für ihr extrem aggressives Verhandeln bekannt. Das hat in eineinhalb Jahren für GM nicht zum Erfolg geführt, vor allem wegen des anhaltenden politischen Widerstands in Deutschland, wo sich die Regierenden untereinander selbst nicht darüber einig waren, wie sie mit der Causa Opel verfahren sollten.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle kann sich natürlich in seiner ordnungspolitischen Linie bestätigt fühlen - und teilt das gleich auch jedermann mit. Aber hat nicht GM mit dem Verzicht auf jegliche Staatshilfe für Opel, nicht nur aus Deutschland, auch höchst politisch gehandelt, indem eine Sollbruchstelle der in sich zerstrittenen schwarz-gelben Koalition in Berlin beseitigt wurde?

Unter dem Strich bleibt als Beitrag zur Opel-Rettung der milliardenschwere Verzicht der Belegschaften in Europa. Dass sich die Beschäftigten, die von der US-Mutter wie von der hiesigen Politik in das eineinhalb Jahre währende Wechselbad der Gefühle geschickt wurden, nach einem Ende des Hickhacks sehnen, ist verständlich. Gleichwohl bleibt festzuhalten: Die alle Anbieter in Westeuropa belastenden Überkapazitäten werden nach Lage der Dinge fortbestehen, wenn GM an den Sanierungsplänen festhält. Zweifel bleiben, ob so das Europa-Geschäft wettbewerbsfähig werden kann.

(Börsen-Zeitung, 17.6.2010)

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