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Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Ein Jahr nach den Massakern (13.7.): Drusen in Syrien bleiben akut bedroht

Ein Jahr nach dem Beginn der genozidalen Massaker an der drusischen Bevölkerung in Syrien am 13. Juli 2025 warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vor neuen Angriffen auf die Religionsgemeinschaft und fordert einen Abschiebestopp für Drusen und andere Minderheiten. „Das Drusengebiet im Süden des Landes wird weiterhin angegriffen, Menschen werden entführt und eingeschüchtert. Die Region ist weitgehend abgeriegelt“, berichtete der GfbV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido heute in Göttingen.

Um der Opfer zu gedenken und auf die Lage in Syrien aufmerksam zu machen, findet am Sonntag, 12. Juli 2026 um 11 Uhr eine Kerzenlicht-Mahnwache in Berlin vor dem Deutschen Bundestag statt. Weitere Aktionen sind in Stockholm, Ottawa, Toronto und Montreal geplant. In Berlin wird am Freitag, 17. Juli 2026, um 17 Uhr zudem eine Gedenkveranstaltung in der Kirche am Hohenzollernplatz (Nassauische Str. 66–67) stattfinden.

Vor dem Jahrestag der Massaker appellierte die GfbV an alle Mitglieder des Deutschen Bundestages, das Leid der Drusen und anderer Minderheiten in Syrien nicht zu vergessen. Die Menschenrechtsorganisation fordert in ihrem Brief, „dass Abgeordnete bei ihren Reisen nach Syrien nicht nur Damaskus, sondern auch das Drusengebiet und andere Minderheitenregionen besuchen und mit Vertretern der Drusen, Alawiten, Kurden, Christen und Yeziden sprechen.“ Es brauche eine „unabhängige internationale Untersuchung der Übergriffe auf die drusische Bevölkerung im Sommer 2025“ und „humanitäre Hilfe und Schutzmaßnahmen“.

Am 13. Juli 2025 wurden die Drusen im Süden Syriens von Sicherheitskräften des islamistischen Regimes in Damaskus sowie von bewaffneten Zivilisten, die dem Regime nahestehen, angegriffen. Bei diesen Angriffen wurden laut drusischen Quellen mindestens 5.000 Menschen getötet. Das entspricht fast einem Prozent der gesamten drusischen Bevölkerung Syriens. Ihre Heimat, die syrische Provinz al-Suwaida, ist immer noch weitgehend von der Außenwelt abgeriegelt. Die Zufahrtsstraße zwischen Damaskus und dem Drusengebiet ist nach Einschätzung der GfbV weiterhin eine extrem gefährliche Route, die kaum passierbar ist.

Schwerwiegende Folgen für die Drusen hätte ein Rückzug Israels, das bislang als ihre Schutzmacht auftrat. „Ohne den Schutz Israels wären bei den Angriffen seit Juli 2025 noch mehr Drusen getötet worden. Doch dieser Schutz könnte jederzeit wegfallen, denn der Druck auf die israelische Regierung wird sowohl im Inland als auch im Ausland, vor allem durch die Trump-Administration, immer größer. Der sunnitische politische Islam scheint der Trump-Administration, der deutschen Bundesregierung und anderen NATO-Regierungen geopolitisch viel wichtiger zu sein als das Leben der zahlenmäßig kleinen Minderheit der Drusen“, prangert der Menschenrechtler an.

Die Drusen sind eine Religionsgemeinschaft im Nahen Osten. Weltweit gehören ihr rund 1,5 Millionen Menschen an. Etwa 700.000 von ihnen leben in Syrien. Weitere Gemeinschaften gibt es im Libanon (250.000), in Israel (153.000) und in Jordanien (20.000). In Deutschland leben schätzungsweise 10.000 Drusen.

Sie erreichen Dr. Kamal Sido unter k.sido@gfbv.de oder 0173/6733980.

Gesellschaft für bedrohte Völker
Pressereferat
Sarah Neumeyer
Postfach 2024
D-37010 Göttingen
Tel.:  +49 551 499 06-21
Fax:  +49 551 580 28
E-Mail:  presse@gfbv.de
 www.gfbv.de
Menschenrechtsorganisation mit beratendem Status bei den UN 
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