Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Zum 91. Geburtstag des Dalai Lama: Bundesregierung muss Religionsfreiheit der Tibeter schützen
Anlässlich des 91. Geburtstags des Dalai Lama am kommenden Montag (6. Juli) warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vor der geplanten Vereinnahmung seiner Nachfolge durch die chinesische Regierung. „Die Volksrepublik China beansprucht die Kontrolle über eine religiöse Institution, über die sie keine Befugnisse hat“, erklärt Mirjam Kobold, GfbV-Referentin für Asien. Die GfbV fordert die Bundesregierung auf, sich klar gegen diese Politik der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) zu positionieren.
Als der Dalai Lama 1995 den Panchen Lama anerkannte, ließ Peking den damals sechsjährigen Jungen entführen und setzte einen eigenen Kandidaten ein. Gedhun Choekyi Nyima ist seit 31 Jahren verschwunden. „Es ist davon auszugehen, dass die Kommunistische Partei Ähnliches für die höchste Institution des tibetischen Buddhismus plant“, warnt Kobold.
Der Dalai Lama ist das geistliche Oberhaupt für viele Tibeter. Die geistlichen Lehrer des tibetischen Buddhismus werden als Lamas bezeichnet. Bestimmte unter ihnen gelten nach tibetischer Glaubensvorstellung als bewusste Wiedergeburten ihrer Vorgänger und werden nach deren Tod in einem Kind wiedererkannt. So wurde auch der heutige Dalai Lama als Zweijähriger gefunden. Genau diesen religiösen Vorgang beansprucht der chinesische Staat für sich: Seit 2007 unterwirft die Volksrepublik per Verwaltungsdekret die Anerkennung sämtlicher Reinkarnationen einer staatlichen Genehmigungspflicht und hat Wiedergeburten von Lamas außerhalb Chinas für unzulässig erklärt. Der nächste Dalai Lama soll laut der KPCh in China gefunden und von der Zentralregierung bestätigt werden. „Die Agenda dahinter ist offensichtlich: Wer die höchste religiöse Instanz besetzt, verfügt über die Religion als Ganzes. Der tibetische Buddhismus soll dem Einheitsverständnis Pekings unterworfen werden“, sagt Kobold.
„Die Bundesregierung schweigt zur Nachfolgefrage - wie sie bei den jüngsten China-Reisen von Kanzler Merz und Wirtschaftsministerin Reiche auch zu Menschenrechten geschwiegen hat“, kritisiert Kobold. „Wer den Austausch mit Peking auf Handel und Marktzugänge verengt und fundamentale Rechte wie die Religionsfreiheit der Tibeter ausblendet, überlässt der Kommunistischen Partei das Feld und akzeptiert ihre Spielregeln. Wir erwarten ein Ende dieses Ausverkaufs der Menschenrechte und eine klare Ansage: Ein von der Kommunistischen Partei eingesetzter Dalai Lama wird nicht anerkannt.“
Fünf UN-Sonderberichterstatter haben Chinas Pläne und Regelwerk 2025 als Verstoß gegen die Religionsfreiheit kritisiert und gewarnt, ein gegen die tibetischen Traditionen eingesetzter Nachfolger hätte "keine kulturelle, religiöse oder gemeinschaftliche Authentizität".
Die Zugriffe der KPCh auf tibetische Identität reichen jedoch noch weiter: Erst am 1. Juli ist das neue Gesetz zur "ethnischen Einheit" in Kraft getreten, das Religionsgemeinschaften zur „Sinisierung“ verpflichtet. Viele Tibeter im Exil sprechen von einem kulturellen Völkermord.
Sie erreichen Mirjam Kobold unter m.kobold@gfbv.de oder 030/51695825-4.
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