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Indigene Völker Russlands: Neuer ICIPR-Bericht über die Folgen des Krieges

Indigene Völker Russlands:

  • Neuer ICIPR-Bericht über die Folgen des Krieges in der Ukraine
  • Raum für zivilgesellschaftliches Engagement in Russland schrumpft erheblich
  • Unverhältnismäßig viele Angehörige indigener Völker und ethnischer Minderheiten kämpfen und sterben im Krieg

Ein neuer Bericht des Internationalen Komitees der indigenen Völker Russlands (ICIPR) beleuchtet die Auswirkungen, die der russische Angriff auf die Ukraine für die indigenen Völker der Region hat. „Der Krieg selbst hat zwar keine unmittelbar indigene Dimension, aber er hat schwerwiegende Auswirkungen auf die indigenen Völker der Ukraine und Russlands sowie die internationale indigene Bewegung“, erklärt Regina Sonk, Referentin für indigene Völker der Deutschen Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). „Die indigenen Völker der Ukraine, die traditionell hauptsächlich auf der Halbinsel Krim leben, sind bereits seit 2014 der Aggression Russlands ausgesetzt.“

In dem Bericht „Russian aggression against Ukraine and Indigenous Peoples of Russia“ beschreibt das ICIPR bereits sichtbare Auswirkungen des Krieges auf die indigenen Völker Russlands und darüber hinaus. Es thematisiert die kurz- und mittelfristigen politischen und wirtschaftlichen Folgen für indigene Gemeinschaften und gibt Empfehlungen, um die Situation der indigenen Völker in Russland zu verbessern sowie jene zu schützen, die ihre wichtige Menschenrechtsarbeit trotz zunehmender Repressionen fortsetzen.

„Der Kreml nutzt den Krieg, um den ohnehin sehr begrenzten zivilgesellschaftlichen Raum in Russland weiter einzuengen. Das betrifft nicht nur Anti-Kriegs-Proteste“, berichtet Tabea Willi, Kampagnenleiterin Schwerpunkt Arktis der Schweizer Sektion der GfbV. „Die einst aktive indigene Bewegung in Russland ist heute auf eine Handvoll Menschen geschrumpft. Diese müssen äußerst vorsichtig sein mit dem, was sie sagen und tun. Denn wer Entscheidungen der Behörden offen in Frage stellt, riskiert eine strafrechtliche Verfolgung.“ Inzwischen sei es für unabhängige indigene Stimmen aus Russland extrem gefährlich, sich bei der UNO zu Wort zu melden. So versuchten russische Regierungsvertreter, unabhängige indigene Aktivisten auf der Sitzung des Expertenmechanismus der Vereinten Nationen für die Rechte indigener Völker (EMRIP) im Juli 2022 einzuschüchtern. Zudem entsendet das Regime kreml-treue Indigene in internationale Gremien.

Unterdessen kämpfen und sterben unverhältnismäßig viele Angehörige indigener Völker und ethnischer Minderheiten im Krieg der russischen Streitkräfte gegen die Ukraine. „In der russischen Arktis, in Sibirien und im Fernen Osten ist der Militärdienst oft der Ausweg aus bitterer Armut“, erklärt Regina Sonk. „Bei der Rekrutierung wurden die jungen Männer oft über die Risiken belogen. Kriegsrückkehrer und -versehrte haben in ihren indigenen Gemeinschaften dann kaum Zugang zum ohnehin mangelhaften Gesundheitssystem“, fügt Tabea Willi hinzu.

Den Report „Russian aggression against Ukraine and Indigenous peoples of Russia” können Sie hier in Englischer Sprache herunterladen.

Interviewanfragen leiten wir gerne an die indigenen Autor*innen des ICIPR weiter.

Sie erreichen Regina Sonk unter r.sonk@gfbv.de oder 0551/49906-31.

Gesellschaft für bedrohte Völker
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D-37010 Göttingen
Tel.: +49 551 499 06-21
Fax: +49 551 580 28
E-Mail:  info@gfbv.de
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