Gesellschaft für bedrohte Völker e.V.

"An Marx-Statue in Trier klebt das Blut von Millionen Verfolgten"

Marx-Denkmal wird in Trier enthüllt (5.5.): An Marx-Statue klebt das Blut von Liu Xiaobo und Millionen Verfolgten in China

--- Göttingen, den 4. Mai 2018 --- Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der Stadt Trier vorgeworfen, mit ihrem verherrlichenden Marx-Monument aus China Millionen Verfolgte in der Volksrepublik vor den Kopf zu stoßen. "An der Marx-Statue klebt das Blut von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo und anderen Verfolgten in China. Millionen Chinesinnen und Chinesen mussten den totalen Machtanspruch der Kommunistischen Partei bereits mit ihrem Leben bezahlen. Von Chinas totalitärer Staatsführung ein solches Geschenk anzunehmen, zeugt von Ignoranz und Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechten", kritisierte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Freitag in Göttingen.

Denn auch mehr als 30 Jahre nach dem Ableben Maos verzeiht Chinas KP ihren Kritikern nicht, sondern treibt sie gezielt in den Tod. So wird Liu Xia, die Witwe des kurz nach seiner Freilassung im Juli 2017 verstorbenen Schriftstellers Liu Xiaobo, in den Wahnsinn und Selbstmord getrieben. Die Dichterin steht seit acht Jahren unter Hausarrest und erklärte in dieser Woche, keinen Lebenswillen mehr zu haben. "Auch im Namen von Marx wird die 57-Jährige mundtot gemacht und ihre Persönlichkeit vom chinesischen Sicherheitsapparat zerstört. Von einem Staat, der sich auf so unmenschliche Weise seiner Kritiker entledigt, sollte man keine Geschenke annehmen", sagte Delius.

Vergeblich setzt sich die deutsche Bundesregierung seit Monaten für eine Ausreise der Witwe ein. Sie braucht dringend medizinische und psychologische Betreuung. "Wer selbst schwerkranken politischen Gefangenen oder unter Hausarrest Internierten eine angemessene medizinische Hilfe verweigert, verletzt internationale Menschenrechtskonventionen und begeht Verbrechen gegen die Menschlichkeit", erklärte Delius.

"Niemand hat die Stadt Trier gezwungen, das vergiftete Geschenk des chinesischen Staates anzunehmen. Anders als in China drohte weder dem Oberbürgermeister noch den Stadtratsmitgliedern bei einer Ablehnung der Statue Verfolgung oder Inhaftierung. Doch eine solche Geste wäre ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit Liu Xia und der so sehr unter Druck stehenden Demokratiebewegung in China gewesen", sagte Delius. "Statt für Rechtsstaatlichkeit und ethische Werte einzutreten, entschied sich Trier für kurzfristigen wirtschaftlichen Profit und für eine bessere Auslastung seiner Hotels. Das ist eine moralische Bankrotterklärung. Mehr Respekt für Menschenrechte wird vor allem durch diese vermeintlich kleinen Gesten gefördert und nicht durch das Handeln von Regierungen."

Ulrich Delius ist zu erreichen unter Tel. 0160/95671403

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