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Der Tagesspiegel: Thierse: Linkspartei fährt im Umgang mit Vergangenheit doppelgleisig
Lafontaine macht Sozialstaatsnationalismus

Berlin (ots)

Berlin - Der SPD-Politiker Wolfgang Thierse hat der
Linkspartei vorgeworfen, beim Umgang mit der DDR-Vergangenheit 
"doppelgleisig" zu fahren. Die Debatte um die jetzt aufgefundenen 
Schießbefehle habe gezeigt, dass es in der Linken "genügend Leute" 
gebe, "die sich glaubwürdig von diesem Teil der DDR-Geschichte 
distanzieren". "Gleichzeitig gibt es viele, die die Akteure von 
damals als Klientel bedienen", sagte Thierse dem Berliner 
"Tagesspiegel am Sonntag". So hätten "die Taktiker wie das Duo Oskar 
Lafontaine / Gregor Gysi" in dieser Sache "unüberhörbar geschwiegen".
Und Gysi habe kürzlich die ISOR, die Vereinigung ehemaliger 
Stasi-Leute, besucht, sagte Thierse. Im Osten sei die Linke "eine Art
Volkspartei, die fast zwangsläufig an pragmatischem politischem 
Handeln orientiert ist. Dort, wo sie regiert, macht sie schlicht 
sozialdemokratische Politik." Auf Bundesebene aber sei "Lafontaine 
damit befasst, diese Linkspartei zu einer linksradikalen, ja 
populistischen Partei der Opposition zu machen. Dabei entwickelt er 
eine große Begabung zur dramatischen Vereinfachung, zur Aufnahme von 
Veränderungsängsten der Menschen", sagte Thierse. "Das, was 
Lafontaine macht, nenne ich: Sozialstaatsnationalismus. Er knüpft an 
die Erinnerungen an, die bei vielen noch lebendig sind: an die großen
Verteilungsspielräume, weil es großes wirtschaftliches Wachstum gab 
und einen nationalen Arbeitsmarkt und nationalen Sozialstaat. Nur: 
Das alles gibt es nicht mehr und wird es so nie wieder geben, denn es
war an Grenzen und Mauern gebunden", sagte Thierse. "In einer offenen
Welt ohne Grenzen bedeutet die Beschwörung alter Politikrezepte die 
Erzeugung von Illusionen und damit Verrat an den Menschen, für die 
man Politik zu machen vorgibt."
Inhaltliche Rückfragen richten Sie bitte an:
Der Tagesspiegel am Sonntag, Politikredaktion, Tel.: 030/26009389

Pressekontakt:

Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-260 09-308
Fax: 030-260 09-622
cvd@tagesspiegel.de


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