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Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe in Sachsen: 1,5 Millionen Menschen akut gefährdet

Berlin (ots)

  • Sächsische Kommunen im Hitze-Check: Mehr als die Hälfte der Menschen stark von Hitze betroffen - mitverantwortlich Flächenversiegelung und Baumverlust
  • Insgesamt fast 130.000 Bäume in den vergangenen Jahren verschwunden
  • DUH verteilt 5 rote, 57 gelbe und 6 grüne Karten: Schlusslichter Schkeuditz, Spitzenreiter Annaberg-Buchholz
  • DUH fordert zusammen mit Krankenkassen und sozialen Trägern konkrete Hitzeschutzmaßnahmen und startet Pilotprojekt in sächsischen Kommunen

Mehr als 1,5 Millionen Menschen und damit mehr als die Hälfte der Menschen in Sachsen sind überdurchschnittlich stark von gesundheitsschädlicher Hitze betroffen. Das ergibt der Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in 68 sächsischen Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnenden, der neben der Hitzebetroffenheit auch die Baumüberschirmung und Flächenversiegelung berücksichtigt. Zudem sind in den vergangenen Jahren fast 130.000 Bäume verschwunden. Mit jedem einzelnen geht langfristig lebenswichtiger Schutz vor Hitze verloren. Denn neu gepflanzte Bäume brauchen Jahrzehnte, bis ihre schattenspendende und kühlende Funktion voll ausgeschöpft ist.

Schlusslichter sind Schkeuditz, Markranstädt, Eilenburg, Wilsdruff und Leipzig. Alle fünf Städte erhalten von der DUH eine rote Karte, weil sie ihre Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend vor Hitze schützen. Eine grüne Karte bekommen nur Annaberg-Buchholz, Ebersbach-Neugersdorf, Löbau, Dippoldiswalde, Schwarzenberg/Erzgebirge und Bischofswerda. Annaberg-Buchholz erreicht dabei als einzige Stadt einen Beschirmungsgrad von mindestens 30 Prozent. Für Fortschritte bei der Entsiegelung hebt die DUH außerdem Dippoldiswalde, Bischofswerda, Zittau, Schwarzenberg/Erzgebirge, Weißwasser/Oberlausitz, Löbau und Ebersbach-Neugersdorf hervor.

Die DUH fordert alle Kommunen auf, Maßnahmen für mehr Grün und weniger Grau auf den Weg zu bringen. Dazu gehört die Umsetzung der 3-30-300 Regel: Bürgerinnen und Bürger sollten von ihrem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen können, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung leben und die nächste Grünfläche sollte höchstens 300 Meter entfernt sein.

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: "Die Bilder der geschmolzenen Fugenmasse der Bahngleise in Leipzig haben es uns deutlich vor Augen geführt: Sachsen blickt zurück auf einen Rekord-Hitzesommer. Rund 550 Menschen sind laut Robert-Koch-Institut in Sachsen bis Mitte August durch Hitze gestorben. Gleichzeitig werden ausgerechnet große Stadtbäume, unsere wirksamsten natürlichen Klimaanlagen, vielerorts weiter bedenkenlos geopfert: für Bauprojekte, Parkplätze und kurzfristige Profitinteressen. Dennoch liefert die Bundesregierung beim Thema Hitzeschutz keinen einzigen Beschluss. Wir fordern die Kommunen auf, die Sache jetzt selbst in die Hand zu nehmen zum Schutz besonders gefährdeter Bürgerinnen und Bürger. Jede Stadt braucht einen verbindlichen Masterplan für Hitzeschutz: Wo kann entsiegelt werden, wo können Bäume und Grünflächen entstehen und wie wird bestehendes Grün dauerhaft geschützt? Der Umbau unserer Städte braucht Zeit, Bäume wachsen nicht über Nacht. Wenn wir nicht jetzt anfangen, werden unsere Städte in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu tödlichen Hitzehöllen."

Mit 57 Kommunen erhält ein Großteil eine gelbe Karte. Allerdings weist die DUH darauf hin, dass das keinesfalls eine Entwarnung ist - im Gegenteil: Wenn die betroffenen Kommunen nicht schnellstmöglich entsiegeln, ihre Flächen begrünen und den Baumbestand schützen, wird sich mit der eskalierenden Klimakrise die Hitzesituation hier noch weiter verschärfen. Auch wenn Städte wie Dresden, Chemnitz oder Görlitz in diesem Jahr noch mit einer gelben Wertung davonkommen, lebt in allen drei Städten die Mehrheit der Bevölkerung in stark hitzebelasteten Gebieten.

Um konkreten Hitzeschutz für besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen vor Ort voranzubringen, startet die DUH zusammen mit dem GKV-Bündnis für Gesundheit in Sachsen der gesetzlichen Krankenkassen ein Pilotprojekt mit den Kommunen Chemnitz, Dommitzsch, Taucha und Torgau sowie sozialen Einrichtungen vor Ort.

Jenny Müller, Geschäftsstelle des GKV-Bündnisses für Gesundheit in Sachsen: "Die Ergebnisse des Hitze-Checks zeigen eindrücklich, dass die gesundheitlichen Folgen zunehmender Hitze für viele Menschen in Sachsen bereits Realität sind. Aus Sicht der gesetzlichen Krankenkassen in Sachsen braucht es deshalb vor allem frühzeitiges Handeln. Gemeinsam mit den Modellkommunen und sozialen Einrichtungen möchten wir Akteurinnen und Akteure vor Ort für die gesundheitlichen Auswirkungen der Klimakrise sensibilisieren, Wissen aufbauen und gesundheitsfördernde Strukturen stärken. Unser Ziel ist es, Hitzeschutz langfristig in kommunalen Entscheidungsprozessen und Lebenswelten zu verankern und Gesundheit bei Maßnahmen der Klimaanpassung von Anfang an mitzudenken."

Franziska Hoigt, Koordinatorin des ASB-Servicehauses in Oschatz, Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Kreisverband Torgau-Oschatz: "Hitze ist längst eine soziale und gesundheitliche Herausforderung. In unseren sozialen Einrichtungen erleben wir, wie sehr vor allem Kinder und ältere Menschen, aber auch unsere Mitarbeitenden an heißen Tagen leiden und wie wenig sie der Hitze entfliehen können. Hitzeschutz muss als Teil der sozialen Daseinsvorsorge ernst genommen werden. Kommunen und soziale Träger müssen in die Lage versetzt werden, besonders gefährdete Menschen vor Ort wirksam zu schützen - mit kühlen Aufenthaltsorten, ausreichend Grün und Schatten in der Umgebung und verständlichen Informationen."

Hintergrund:

Für den Hitze-Check Sachsen hat die DUH basierend auf Daten der Potsdamer Luft Umwelt Planung GmbH aus den Indikatoren Baumüberschirmung, Versiegelungstrend sowie aus dem Hitzebetroffenheitsindex eine Gesamtwertung gebildet. Beim Hitzebetroffenheitsindex werden Städte in 100x100-Meter große Zellen unterteilt. Für jede einzelne Zelle kann die Hitzebetroffenheit bestimmt werden und somit unter Einbezug der Bevölkerungszahlen ermittelt werden, wie viele Menschen in hochbelasteten Zellen wohnen. Durch die Hochrechnung des Beschirmungsgrades anhand einer durchschnittlichen Baumkronengröße konnte die absolute Zahl an Bäumen berechnet werden, die zwischen 2018 und 2025 verlorengegangen ist.

Link:

Ergebnistabelle, FAQ und Karte: https://l.duh.de/p260915

Pressekontakt:

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin DUH
0170 7686923, metz@duh.de

Jenny Müller, Referentin Geschäftsstelle der ARGE "GKV-Bündnis für Gesundheit in Sachsen"
0351 8765530, Jenny.Mueller@vdek.com

Franziska Hoigt, Koordinatorin ASB-Servicehaus in Oschatz, ASB Kreisverband Torgau-Oschatz
03435 9888996, franziskahoigt@asb-to.de

DUH-Newsroom:
030 2400867-20, presse@duh.de

www.duh.de

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