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05.12.2020 – 13:00

Deutsche Umwelthilfe e.V.

Versteckte Überfischung in Zuchtlachs, Garnelen und Co.: Deutsche Umwelthilfe kritisiert Umgang deutscher Händler mit problematischer Fischzucht

Berlin (ots)

  • Fischzucht trägt zu weltweiter Überfischung bei, weil jeder sechste Wildfisch für Aquakultur-Futtermittel gefangen wird
  • DUH-Test stellt massive Mängel und fehlende Transparenz fest: Aldi, Lidl, Metro und weitere haben keine konkreten zeitlichen Ziele, um Wildfisch als Futtermittel aus Aquakultur-Lieferketten auszuschließen
  • Aquakultur muss nachhaltiger werden mit pflanzlichen Futtermitteln, die Fischöl und -mehl ersetzen sowie durch Zucht anderer Fischarten

Verbraucherinnen und Verbraucher können nicht erkennen, ob sie mit ihrem Einkauf zur Überfischung der Meere beitragen, wenn sie zu beliebten Fischprodukten wie Lachs oder Garnelen aus Fischzucht - sogenannter Aquakultur - greifen. Dies ist das Ergebnis eines neuen Berichts der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Demnach befassen sich die Groß- und Einzelhändler Aldi Nord und Süd, Lidl, Edeka, Kaufland, Rewe und die Metro AG nur unzureichend mit der Problematik von Wildfisch als Futtermittel in ihren Aquakultur-Lieferketten. Fischzucht belastet die Meere zusätzlich anstatt sie zu entlasten, denn jeder sechste weltweit gefangene Wildfisch landet aktuell als Futter in den Mägen von Zuchtfischen.

"Aquakultur ist nicht die Heilsbringerin für unseren wachsenden Appetit auf Fisch, für die sie oft gehalten wird. Die Zucht von Fischen und der Fang von Wildfisch müssen dringend entkoppelt werden. Denn nachhaltig kann Fischzucht nur sein, wenn Wildfisch nicht mehr auf dem Speiseplan von Zuchtfischen steht. Die Händler müssen hier Verantwortung übernehmen und ihre Aquakultur-Lieferketten transparent und vor allem nachhaltig gestalten. Letzteres ist einfach möglich, zum Beispiel mit pflanzlichen Futtermitteln als Ersatz für Fischmehl und -öl oder aber, indem sie andere Arten vermarkten, die nicht auf Wildfisch in ihrem Futter angewiesen sind", so Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH.

In der DUH-Untersuchung noch am besten schneidet der Händler Kaufland ab, der mit seinen Bestrebungen für mehr Transparenz zumindest auf einem guten Weg ist und der DUH Informationen über die in Aquakulturfutter verwendeten Wildfische zur Verfügung stellen konnte. Außerdem bietet Kaufland als erster deutscher Lebensmitteleinzelhändler in einer Eigenmarke Lachs an, der mit Algenöl statt mit Fischöl gefüttert wird. Schlusslicht der Bewertung ist die Metro AG, deren Anzahl nachhaltiger Fischprodukte 2018/19 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar gesunken ist.

"Händler machen es Verbraucherinnen und Verbrauchern derzeit fast unmöglich, auf einem Produkt aus Aquakultur zu erkennen, ob Wildfisch im Futtermittel enthalten war. Mit wachsendem öffentlichen Interesse an nachhaltigen Fischprodukten können es sich Groß- und Einzelhändler aber nicht mehr leisten, vor dieser Problematik die Augen zu verschließen. Sie müssen klar auf dem Produkt deklarieren, ob Wildfisch in dessen Futtermittel steckte. Die Menschen können beim Fischkauf außerdem auf andere leckere und umweltfreundlichere Arten ausweichen, wie Karpfen oder Tilapia. Generell gilt: Fisch auf dem Tisch muss wieder etwas Besonderes werden. Wir sollten ihn bewusst genießen und unseren Konsum einschränken", ergänzt Katharina Fietz, Referentin für Meeresnaturschutz bei der DUH.

Jedes Jahr werden circa 20 Millionen Tonnen Wildfisch zu Fischmehl und -öl verarbeitet. Das sind fast 20 Prozent des weltweiten Gesamtfangs. Davon landet mit knapp 80 Prozent der Großteil in Futtermitteln für Zuchtfische. 2018 war bereits über ein Drittel der weltweiten Fischbestände überfischt. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Fisch beständig. Gesunde Fischbestände sind dabei nicht nur essentiell für die Artenvielfalt und Ernährung von über drei Milliarden Menschen, sondern auch für den Klimaschutz. Nur lebendige, gesunde Meere können weiterhin CO2 speichern und so helfen, die Klimakrise abzumildern.

Hintergrund:

Die Unternehmen Aldi Nord und Süd, Lidl, Edeka, Kaufland, Rewe und Metro AG wurden anhand von 13 Indikatoren untersucht: Diese 13 Indikatoren betreffen wichtige Schritte in den Bereichen "Unternehmenspolitik", "Lieferketten-Transparenz" und "Produktvermarktung", die aus Sicht der DUH von Seiten der Unternehmen nötig sind, um sich bei ihren Aquakulturprodukten für eine nachhaltige Nutzung und die Gesundheit der Meere einzusetzen. Die Untersuchung stützt sich auf Informationen aus drei Datenquellen: eine umfassende Unternehmensumfrage, eigene Recherchearbeiten und Marktbesuche. Eine Rangliste bewertet, wie transparent und nachhaltig die Lieferketten der Groß- und Einzelhändler im Hinblick auf die Produkte der Aquakulturindustrie und der dort verwendeten Futtermittel tatsächlich sind.

Links:

Pressekontakt:

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de

Dr. Katharina Fietz, Referentin Meeresnaturschutz
030 2400867-880, fietz@duh.de

DUH-Pressestelle:

Matthias Walter, Marlen Bachmann, Thomas Grafe
030 2400867-20, presse@duh.de

www.duh.de, www.twitter.com/umwelthilfe,
www.facebook.com/umwelthilfe, www.instagram.com/umwelthilfe

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